Eisenpimmel – Füße Hoch, Fernsehn An, Arschlecken!

Punkbands gibt es wie Sand am Meer, doch einige stechen dann aus der Masse heraus. Eisenpimmel sind so eine Band. Vordergründig spielen sie eine Art Ruhrpottasipunk mit etwas platten Texten. Doch wenn man genau hinhört, fällt einem erst mal auf, wie gut sie ihre Instrumente und verschiedene Musikstile beherrschen und dann, wie die Texte und Lieder ausgearbeitet sind und nur so voller Ironie und Satire strotzen.

Einige Jahre sind ins Land gezogen, doch Ende 2009 erschien endlich ihr neues Album und ich komme jetzt endlich dazu, was über das Album und seine außergewöhnlichen Songs zu schreiben.

Bereits im Opener “Pommes in den Straßen” wird die Tür zu den Gehörgängen mit einem Song im schönsten Ruhrpottplatt über das wundervolle Gericht aus frittierten Kartoffelstäbchen eingetreten.

Dann wäre da ein Lied wie “Man muß dat saufen nämlich nehmen wat dat saufen nämlich is nämlich saufen” im schönsten Ruhrpottdeutsch. Nicht vorstellbar aber aus so einem Titel kann man einen Hymnenartigen Song machen, der wunderbar zum Mitsingen animiert, aber Achtung: Nach ein paar Pils dürfte sich vermutlich die Zunge beim Mitsingen verknoten. Auch der Song, der dem Album seinen Namen leiht, “Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken” ist die ultimative und gemütliche Couchgammelhymne.

Man muss erst mal auf die Idee kommen, einen Song für den Bahnhof der “Mode- und Kulturhauptstadt” Duisburg zu schreiben. Wer das Ding mal gesehen hat, weiß, dass es nicht gerade vor Schönheit glänzt. Eisenpimmel schafft es aber, dass man auch Lust bekommt, ein Bett in den Duisburger Bahnhof zu stellen (“Ein Bett im Bahnhof“). Sie schaffen es auch, bei “Pogo, Pogo, Pogo“, das Wesentliche an diesem Tanz in 1:40 Minuten herauszuarbeiten: “Rauf, runter, rauf, runter, rauf runter“.

Auf ein gutes Punkalbum gehören natürlich auch ein oder zwei Lieder über leckeren Gerstensaft. Auf “Füße Hoch Fernsehn An, Arschlecken!” gibt es unter anderem “Mmmh…Lecker“, ein eingängiger Song über die Vorteile von Bier, der versucht das in Deutschland völlig unbekannte Getränk vom Insidertipp zum hippen Getränk zu machen. Auch mit politischen Vorurteilen über Bier wird aufgeräumt, denn “Bier wird hier immer unterbewertet, Bier ist politisch völlig korrekt, Bier kann ja nich für, dat es so gut schmeckt“. Auch zwei Songs später wird die Bedeutung von Bier in der heutigen Zeit aufgezeigt, denn “mit Generation Kriech gab dat nur Probleme, Generation Arbeit war voll die unbequeme” aber jetzt ist die “Generation Bier” dran und wir sind die Guten.

Wer sich dann mit einigen Bier intus an das weibliche Geschlecht ranmachen will, der bekommt mit “Gestatten: Katlewski” die perfekte Anleitung geliefert. Natürlich ist nicht alles lustig und so wird bei “Whole Lotta Schulden” auch die ganz persönliche Finanzkrise thematisiert (“Krise! Krise! Mein Arsch hängt inne Miese [...] wat muss ich denn noch erdulden? No litta Bier, aber whole lotta Schulden“). Politisch wird es dann noch in “Skat mit dem System“, 2 Minuten komprimierte Wut und Kritik.

Mein persönliches Highlight auf dem Album ist ja “Huka-Tschaka Töff Töff“. Ein Song mit irrsinnigem Text der sich, ob man will oder nicht, in die Gehörgänge einbrennt, wenn man sich in die “Fotzenpimmelbahn” setzt. Mit diesem Lied bekommt man jede noch so langweilige Party zum kochen.

Wie sieht nun also mein Fazit aus? Gute Frage, man muss sich auf dieses Album einlassen und darf nicht alles bierernst nehmen. Für den ein oder anderen ist es mit Sicherheit ungewohnt und so rate ich jedem, mal vorher reinzuhören. Bei den meisten Onlineanbietern gibt es ja zumindest die Möglichkeit für 30 Sekunden jeden Track anzutesten. Wenn man sich dann aber auf dieses Album einlässt, dann wird man rund eine Stunde wunderbar unterhalten. In Sachen Prollpunk dürften sich die Duisburger Bärbel Rotzky, Siggi Katlewski, Mütze, Karl Arsch, Addi Kalupke und Wolle Pannek spätestens jetzt die Pole-Position gesichert haben.

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Was es sonst noch wissenswertes gibt:

  • die komplette Trackliste:
  1. Pommes in den Strassen
  2. Baut mehr Innenstädte!
  3. Man muss dat Saufen nämlich nehmen, wat dat Saufen nämlich is, nämlich Saufen
  4. Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken
  5. Ein Bett im Bahnhof
  6. Pogo Pogo Pogo
  7. Huka-Tschaka Töff Töff
  8. Gestatten: Katlewski
  9. Whole Lotta Schulden
  10. Mmmh…Lecker
  11. Keine Ahnung
  12. Generation Bier
  13. Titten Gedächtnis Song
  14. Anderes Thema
  15. Skat mit dem System
  16. Aber sowas von
  • reinhören
    • das offizielle Video zu “Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken!” gibt es HIER bei YouTube

  • Diskographie:
    • Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken
    • Liebesglocken grüssen Dich
    • Sexmaschinen tanken Super
    • Bau keine Scheisse mit Bier
    • Alte Kacke
    • Befreit Abbu Bimbel (7”)
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