Kolumne: Wohin mit Unheilig ?

Manchmal, aber nur manchmal frage ich mich doch wer Tourneen und Veranstaltungen so zusammenstellt, wer das Konzept erarbeitet und vor allem wer dann am Ende mit eben diesem Konzept erreicht werden soll.

Die Band Unheilig kennen sicher die meisten, die auch hier im biotechpunk mitlesen, denn Unheilig war in den letzten Zeit mehr als überpräsent in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung.

Dagegen ist sicher auch nichts einzuwenden, ein Musiker darf sicherlich Erfolg aufweisen, ohne das direkt Ausverkaufvorwürfe kommen, und wenn dies kommen muss man sich immer noch nicht drum scheren.

Doch wenn man sich so manche Meldungen eben aus dem Umfeld der Band, das Konzept zur Tournee im nächsten Jahr ansieht, dann komm ich doch ein wenig ins grübeln.
Vor allem wenn man dem gegenüber ein Zitat aus dem Stern, aus der Wikipedia gegenüberstellt:

„Es ist seltsam, jahrelang haben mir die Menschen vermittelt, wie wichtig ihnen meine Musik ist, und dann ändere ich ein wenig mein Äußeres, lasse den schwarzen Nagellack und diese weißen Vampirkontaktlinsen weg, und plötzlich zählt meine Musik nicht mehr. Plötzlich sagt man: Der singt jetzt kommerzielle Balladen. Der ist keiner mehr von uns. Ich verstehe das bis heute nicht. Wenn du die Akzeptanz der Leute nicht mehr hast, die du so lange kennst, dann tut das weh.“

– Bernd H. Graf: Interview mit dem Stern[4]

Hat sich das Äussere nun verändert, oder alles ?

So bekam ich nun einen Newsletter von der Band das für nächstes Jahr eine Tournee ansteht, soweit nichts schlimmes.
Doch das Konzept an der ganzen Sache, das finde ich dann schon merkwürdig.

Zum einen soll dort, damit es ein Familienfest wird, Kinder ab sechs bis zehn Jahren und Menschen über 65 Jahren, freier Eintritt gewährt werden, nur muss man sich vorher anmelden.

Ein Kindertruck mit vielen verschiedenen Spielmodulen wird im Sommer 2012 wieder mit dabei sein. […] Bei UNHEILIG treffen Generationen aufeinander und feiern gemeinsam!

Zum anderen verwundern mich da schon ein wenig die Vorbands, einmal Staubkind und zum anderen Andreas Bourani.

Staubkind kann hier noch musikalisch passen, aber wie passt Andreas Bourani in das Konzept, der eher Pop-Musik macht ?

Wohin soll es also mit Unheilig gehen, noch weiter in die Poprichtung für Radiosender mit der besten Musik aller Zeiten ?

Gegen Erfolg ist sicherlich nichts einzuwenden, finde ich jedenfalls, denn ich wäre auch gerne mit dem biotechpunk noch um einiges erfolgreicher.
Doch in wie weit muss man sich für den Erfolg an Märkte anpassen, an Zielgruppen anpassen und wie weit muss man darauf achten woher man selber kommt ?

Ob die Basis so sehr auf diesen Popmusiker steht, der dort im Vorprogramm auftaucht, oder wird hier ein Paket für die sogenannte Hausfrauenzielgruppe geschnürt ?

Ich weiß nicht welche Beweggründe hinter so einem Familienfestkonzept stehen, ich weiß es wirklich nicht, doch halte ich es doch für merkwürdig, erinnert es mich doch sehr an die Sommerfeste einer Einzelhandelssupermarktkette, wie wäre es noch mit einer Hüpfburg für die kleinen bei einem Unheiligkonzert ?

Nebenbei bemerkt, die Band war immer nur am Rande meiner musikalischen Wahrnehmung, wird es so auch bleiben, ich habe und hatte nie so sehr das Interesse an Unheilig, doch der Weg der hier gegangen wird, der nun kein Vorwurf an die Band selber ist, den sehe ich mehr als kritisch und hoffe das dies nicht die Zukunft der Musikbranche darstellt.

Dann würde ich als Tourneepaket doch viel eher das Konzept des Ozzfest begrüssen, ein wanderndes Festival, mit vielen verschiedenen, aber zusammenpassenden Bands, auch in die Richtung eines musikalischen Familienfestes, aber eben besser zusammenpassend.
Das wäre vom Hintergedanken vielleicht ähnlich, aber wäre dann mehr als der Firmensommerfestcharme, der hier für mich zumindestens in der Pressemeldung verbreitet wird.