Was es mit dem Listenalarm auf sich hat, habe ich hier versucht zu erklären. Alle bisher in dieser Reihe veröffentlichten Beiträge sind am Ende des Artikels verlinkt.
(Anmerkung: Ich versuche zu allen Alben in dieser Rubrik Hörbeispiele zu finden und zu verlinken, da das Internet aber manchmal sehr kurzlebig ist, kann es sein, dass die Links nicht mehr aktuell sind, wenn ihr diesen Beitrag lest.)
Wer bis jetzt aufmerksam mitgelesen hat, der hat ja vermutlich gesehen, dass The Cold von Flotsam and Jetsam mein Metalalbum des Jahres 2010 war. Daher ist auch klar, dass mein Album des Jahres 2010 aus einem anderen Genre kommen muss. Doch aus welchem? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich diese Scheibe einsortieren soll.
Aber fangen wir erst mal anders an. Major Parkinson, gegründet 2003, kommen aus Norwegen, aus Bergen um genauer zu sein. “Songs from a Solitary Home” ist das zweite Album der Band, das selbstbetitelte Debüt erschien 2008 und davor gab es 2004 noch eine EP. Eigentlich habe ich diese Band nur durch einen komischen Zufall entdeckt, aber das sind ja häufig auch die besten Entdeckungen. Das war auch hier der Fall.
Kennt ihr diesen seltenen Moment, wenn man den ersten Song eines Albums hört und man direkt von der Musik gefangen wird? Gefangen, weil das genau die Musik ist, auf die man all die Jahre gewartet hat. Musik, die einen mit so einer Wucht umhaut, dass man das Album gar nicht mehr aus dem CD-Player nehmen will. So hatte ich mich gefühlt, als ich die ersten Töne des Openers “Ecophobia” gehört hatte. Mir war gleich klar, dass es das ist, worauf ich gewartet hatte.
Nach dem eher ruhigen Opener fängt der Wahnsinn aber erst so richtig an und er ist so schwer zu beschreiben. Vorweg, das ist keine Musik, die die breite Masse ansprechen wird. Es ist schon sehr speziell und wird viele Leute abschrecken. So abgedrehte Musik ist aber genau mein Ding, solange noch genug Struktur in den Songs ist, um das Hören des Albums nicht zu anstrengend zu machen. Genau das haben Major Parkinson hier für mich geschafft.
Das Album ist eine Melange aus Rock, Alternative, Jazz, Swing, Cabaret, Boogie, Kirmes- bzw. Zirkusmusik, Chanson, Singer/Songwriter, Folk aus aller Herren Länder, Prog, Metal, Experimental, Avantgarde, Art-Rock, Western, Filmmusik aus schwarz-weiß Tagen, Blasmusik, Tom Waits, System of a Down, Primus, Mr. Bungle, Zappa, Rat Pack, und alles mögliche andere. Doch diese wahnwitzige Mischung ist immer songdienlich, nie nur um der Kunst willen zusammengestellt.
Und auch der Gesang, der auf manche bestimmt befremdlich wirkt, passt absolut perfekt zur Musik. Wenn es manchmal so klingt, als würde der Sänger einen Ton verfehlen, dann muss das auch so sein, dazu klingt die Stimme mal gebrochen und verletzlich und wird dann aggressiv, eindringlich und bedrohlich um später wieder wahnsinnig und manisch zu werden. Der Gesang lebt auch von seinen Übertreibungen.
Was den Gesang angeht, hatte ich 2011 ein ähnliches Erlebnis bei den Neuaufnahmen von “Hell”. Deren Sänger ist eigentlich Theaterschauspieler und gerade diese Schauspielerei hört man in seiner Stimme und sie ist etwas Besonderes, weil der Sänger eine ganz andere Herangehensweise hat, als reguläre Sänger. So ist das auch beim Gesang von Jon Ivar Kollbotn, allerdings ist mir bei ihm kein schauspielerischer Hintergrund bekannt.
Zur perfekten Abrundung des Gesamtwerks sollte natürlich noch das abgerundete Coverartwork erwähnt werden. Gestaltet wurde es von Martin Kvamme, der u.A. auch schon für Turbonegro, Callisto und Immortal tätig war.
Viele starke Alben kamen 2010 raus, aber es muss schon etwas ganz Besonderes haben, wenn es nicht nur mein Album des Jahres wird, sondern gleich zu einem meiner All-Time-Faves aufsteigt. Ich kann zum Beispiel jetzt schon mit großer Sicherheit sagen, dass 2011, auch wenn ich es insgesamt stärker fand, kein Album dabei ist, was mich so gepackt hat wie Major Parkinson 2010 mit Songs from a Solitary Home.
Meine Albumversion hat 13 Songs mit rund 46 Minuten Spielzeit
Bandhomepage: majorparkinson.com, Facebook, MySpace
Hörproben:
Major Parkinson mit Solitary Home
Major Parkinson mit Teenage Mannequins
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Listenalarm 2010:
Unter ferner liefen, Platz 15 (Zaz – Zaz), Platz 14 (Kylesa – Spiral Shadow), Platz 13 (Nachtmystium – Addicts), Platz 12 (Alter Bridge – AB III), Platz 11 (Dawnbringer – Nucleus), Platz 10 (Procession – Destroyers of the Faith), Platz 9 (The Sword – Warp Riders), Platz 8 (Långfinger – Skygrounds), Platz 7 (Ghost – Opus Eponymous), Platz 6 (Haken – Aquarius), Platz 5 (Heljareyga – Heljareyga), Platz 4 (Nevermore – The Obsidian Conspiracy), Platz 3 (Manic Street Preachers – Postcards From a Young Man), Platz 2 (Flotsam and Jetsam – The Cold), Platz 1 (Major Parkinson – Songs from a Solitary Home), Zusammenfassung