Im Gespräch: Alex Kraft von den Dezperadoz

Hallo und danke für das Interview.
Dein neustes Dezperadozwerk kommt nun bald auf den Markt, eventuell ist es schon draussen wenn dieses Interview erscheint.
Dead Man’s Hand heisst das gute Stück und behandelt das Leben und Werken eines James Butler “Wild Bill” Hickok, einer Person die ich bis dato nicht kannte.
Die Wikipedia gibt aus das es die Person wirklich gegeben hat, doch wie bist Du auf ihn gestoßen, auf seine Story und was fasziniert Dich so an ihm das Du ein Album drüber geschrieben habt ?

Alex Kraft: Wie immer bei meinen Dezperadozalben brauch ich „Futter“. Dh ich bin als glühender Westernfan und Hobbyhistoriker mit der Geschichte des Westens recht bewandet. Wie auch bei der „Legend and the truth“, oder der „an eye vor an eye“ ist es eine großteils authentische Story.
Wild Bill war alleine schon eine interessante Persönlichkeit. Er war ein Mann der gefallen an edlen Dingen hatte. Er hatte lange Haare, teueren Schmuck und galt als eingebildet und arrogant. Nur, er war gefährlicher und schneller am Colt wie seine Konkurrenten, die meist staubige, asoziale Halunken waren. Er liebte die Musik, die Frauen und das Spiel und er gen0ß es Geld auszugeben.
Er hatte der Legende nach seinen Navycolt, mit dem er so einige Männer erschoss an einen Mann Namens McCall beim spiel verloren, bevor Bill ihm sein Hab und Gut beim Spielen, mit Außnahme des Colts wieder nahm.
Jahre später, Wild Bill wollte seinen „Ruhestand“ mit Stil und ohne Ärger in einer Stadt namens Deadwood verleben. Sollten sich Beide wieder treffen.
Niemand wußte um Wild Biels Geheimnis, was ihn, wenn es rausgekommen war das Leben gekostet hätte. Er hatte den grauen Starr und konnte nicht mehr richtig sehen. Jeder aufstrebende Gunslinger hätte sich mit ihm gemessen und damit geprahlt den berühmten Wild Bill erschossen zu haben.
Wild Bill, der Stammgast am Pokertisch des Saloon No10 war, saß grundsätzlich mit dem Rücken zur Wand um immer das Lokal einigermaßen im Auge zu haben.
An jenem verhängnisvollen Tag jedoch nicht.
McCall der in dem „Rotlichtviertel“,von Deadwood, genannt „the BADLANDS“ in einer Opiumhöhle, wo er sich mit Drogen und Frauen in seinen Plan reinsteigerte Wild Bill zur Rechenschaft zu ziehen, da er ihm alles beim Spiel genommen hatte, bis auf jenen Navy Colt, mit dem er ihn erschießen wollte.
Mit dem Mut des Alkohols und der Drogen im Blut ging er hoch zum Salon No10.
Ausgerechnet an jenem Tag saß Wild Bill nicht mit dem Rücken an der Wand, sondern musste durch einen blöden Zufall den letzten Platz mit Rücken zur Theke nehmen. McCall Schoß Wild Bill in den Hinterkopf. Wild Bill, der ein sehr gutes Pokerblatt in der Hand hielt, kippte kopfüber auf den Pokertisch und gewann die Runde als Toter Mann. In der Hand Pik As Kreuz As Pik 8 Kreuz 8 und eine verdeckte Karte, die ein Joker gewesen sein soll auf dem Tisch.
„The Deal Man’s Hand“


Was fasziniert Dich genau an dieser Wild West Sache ?

Alex Kraft: Wie gesagt bin ich „Geschichtsfan“ Mich interessiert Geschichte. Schwerpunkt allerdings der Wilde Westen. Die Aufbruchsstimmung jener Zeit und das weite, wilde Land.
Der Sound, der Erinnerungen an alte Wild West Filmen hervorruft, oder ist es mehr, ist es das reale Leben zu jener Zeit, oder das was wir heute dafür halten ?

Aus diesem Grund habe ich auch Irische Elemente in den Songs. Wir haben sehr wenig Countryelemente in den Songs, weil das „neuzeitlich ist“ Ich verbinde mexikanisch und irische Elemente mit Heavyelementen. Das ist für mich authentischer.

Wenn ich das nun grob richtig überblicke, dann sind die Dezperadoz aus einem Seitenprojekt von Sodom hervorgegangen.

Alex Kraft: Nein. Ich hatte die Band 1998 gegründet und dann für die erste Scheibe Tom dazu geholt.

Wie kommt es zu so einem Projekt, zumal mit Tom Angelripper das so anders als die Musik von Sodom ist.

Alex Kraft: Tom war erste Wahl, da er mein Freund ist und genauso Westernfan wie ich ist, er genau wie ich die Hollywoodklischees nicht so sehr mag und er auf die Spaghettiwestern steht. Ich fühlte mich Damals noch nicht als Sänger.

Bei Onkel Tom finde ich zum Beispiel schon noch Ähnlichkeiten zu Sodom, bei Dezperadoz sind es schon weniger.
Auch bei Onkel Tom schreibe ich den Großtelk der „Eigenen“ Songs und arrangiere die Coversongs. Onkel Tom ist aber halt ein Funprojekt, wo wir einfach nur abrotzen und gar nicht ernst genommen werden wollen.

Ist der Wild West Stil bei den Dezperadoz schon ernst gemeint, oder vielleicht doch eher als Satire, beziehungsweise mit einem Augenzwinkern zu betrachten ?

Alex Kraft: Nein, ich finde und fand schon immer das Themen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ und der ganze staubige, gefährliche Showdownflair mehr Heavy Metal sind, als irgendwelche Songs über Ritter und Drachen, die ich nicht wirklich heavy, oder böse, bedrohlich, oder dreckig finden kann.

Der Wilde Westen soll rau, das Leben schwer gewesen sein, die Gebiete recht unerforscht, unsicher, die Pioniere eher auf sich alleine gestellt.
Lässt sich hier von was auf die Musikbranche, vielleicht auf die Band Dezperadoz ableiten ?

Alex Kraft: Nun, etwas schon, da wir ein neues Genre geschaffen haben und wohl hier echt „einzig“ mit unserer Art von Musik da stehen, was es nicht leichter macht. Die Metalfans haben „Hörgewohnheiten“

Ihr zieht euer Ding auf dem Album komplett durch, fühlt ihr euch vielleicht an manchen Ecken im Image und in der Musik dann doch ein wenig eingeengt, oder ist durch das Wild West Ding doch immer genug Platz zur kreativen Entfaltung ?
Da ist so viel Platz wie auf der offenen Prärie

War es schwer den richtigen Sound zu finden für ein Album das an den Wild West angelehnt ist, aber auf einem modernen Medium wie eine CD erscheint ?
Der Sound muss schliesslich zeitgemäß klingen, aber eben auch passend zur Musik.

Alex Kraft: Ich habe hier ganz exakte Vorstellungen, die ich vom Anfang bis zum Ende penibel durchzieh. Mittlerweile habe ich hier nach 4 Alben ein Konzept dazu.

Was haltet ihr insgesamt von den heutigen Tonträger ?
Was bevorzugt ihr ?
CD, Vinyl, Kassetten, oder vielleicht mp3 Veröffentlichungen ?

Alex Kraft: Ich halte gerne ein Cover und Booklet in den Händen, was mich wie ein Buch auf die Musik vorbereitet und sie ergänzt.

Gibt es für Konzerte bestimmte Gimmicks, wie zum Beispiel eine Westernshow, oder wird das dann doch zu Kirmesmäßig ?

Alex Kraft: Nein, die gibt es, ohne Kirmes. Will da aber nicht zu viel ausplaudern 😉

Empfehlt ihr ein stilechtes Getränk für den Besuch eurer Konzerte ?

Alex Kraft:Bourbon

Lieblingssportart ? Fußball, und wenn ja, welcher Verein ?
Oder doch eher Reitsport ?

Alex Kraft: Weder noch

Eure letzten Worte für dieses Interview ?

Alex Kraft: Do it like the Cowboys do. Nicht wegen jeder Kleinigkeit rumpiensen, sondern mit Optimismus immer nach vorne und bei manchen Dingen nicht lange rumfackeln, dranpacken!
Yippieyeah!

Danke schön für eure Zeit.
Thanxxx and a Yee-Haaw!

So long, Alex Kraft