Review: Oddland – The Treachery Of Senses

Bei dem Overkill an Talentshows im Fernsehen, die seit rund einem Jahrzehnt wie Pilze aus dem Boden schießen, verliert man manchmal völlig aus den Augen, dass es auch noch Wettbewerbe gibt, wo wirklich talentierte Leute gefunden werden und nicht solche, die abgefeiert werden nur weil sie irgendeine Popnummer einigermaßen fehlerfrei nachsingen können.

Warum ich das erzähle? Weil Oddland den Suomi Metal Star Contest auf der Finnish Metal Expo 2011 gewonnen haben. Anschließend konnten sie einen Deal mit Century Media an Land ziehen und etwas Unterstützung für die Studioaufnahmen kassieren. Wenn man sich das Debütalbum der Finnen anhört, dann merkt man gleich, dass das Geld gut angelegt war.

Doch genug Geplänkel, kommen wir zu dem, was wirklich zählt: die Musik. Das Wichtigste zuerst, Oddland haben nicht einfach Szenegrößen kopiert, sondern sich höchstens inspirieren lassen. Das Album wirkt extrem selbstständig.

Auf dem Aufkleber, der auf meiner CD war, steht drauf „for fans of the new Opeth & Riverside“, das trifft aber nicht ganz zu. Ich fühle mich nicht an die neuen Opeth erinnert, sondern eher an die ruhigen, atmosphärischen Phasen älterer Platten von Opeth. Auch alte Pain of Salvation, Fates Warning, Communic und Dream Theater kommen einem in den Sinn.

Sehr angenehm ist auch, dass sich Oddland, nicht wie es gerade modern ist, in endlosen Frickeleien verheddern, sondern die Musik und ihr Gesamtkonzept immer im Vordergrund steht. Ja, sie können mit ihren Instrumenten umgehen, aber sie wollen es nicht zwingend auf Teufel komm raus beweisen. Das tut der Platte nur gut und lässt sie wie aus einem Guss wirken. Die Songs sind melodiös und die Gesangsmelodien passen perfekt zur ausdrucksstarken Stimme von Sänger Sakari Ojanen.

Fazit: The Treachery of Senses ist ein verdammt starkes Progressive Metal Debüt und lässt für die Zukunft noch einiges erhoffen. Etwas Luft nach oben haben sich die Finnen noch gelassen und es wird spannend sein zu Sehen (bzw. Hören), ob sie sich noch steigern können.

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Line-Up:

  • Sakari Ojanen (Gesang, Gitarre)
  • Joni Palmroth (Bass)
  • Ville Vitanen (Schlagzeug)
  • Jussi Poikonen (Gitarre)

Spielzeit: ~50 Minuten

Tracklist:

  1. Above and Beyond
  2. Flooding Light
  3. In the Eyes of the Mourning
  4. Aisle of Array
  5. Past the Gates
  6. Still the Spirits Stay
  7. In Endless Endeavour
  8. Sewers
  9. Lines of Silver Blood
  10. Ire

 

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