Review: Paradise Lost – Tragic Idol

Anfang der 90er haben Paradise Lost sich mit Alben wie Gothic, Shades of God, Icon oder Draconian Times einen Namen gemacht, danach ließ die Qualität leider etwas nach. Zwar hatten sie auf ihren weiteren Alben immer wieder starke Songs, aber so zwingend wie ihre ersten Alben war die Musik nicht mehr.

2009 erschien dann Faith Divides Us – Death Unites Us und ich war positiv überrascht. Klar kam das auch noch nicht an die Frühwerke heran, aber man war auf dem richtigen Weg, der bereits mit den Vorgängern Paradise Lost und In Requiem beschritten wurde. Das man nun wohl am Ziel des Weges angekommen ist zeigt das gerade veröffentlichte neue Album Tragic Idol.

Für mich ist Tragic Idol bis jetzt das Album des Jahres und bis jetzt auch die größte Überraschung 2012. Mit so einem Knaller habe ich wirklich nicht gerechnet, aber in meinen Ohren kann Studioalbum Nummer 13 an die Frühwerke anknüpfen und stellt wieder die richtigen Trademarks ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Riff regiert wieder und die Gitarren im Zusammenspiel von Greg Mackintosh und Aaron Aedy dominieren den Sound während die elektronischen Spielereien aus der Zeit um die Jahrtausendwende endgültig über Bord geworfen wurden.

Eingängige Hymnen, die auf Anhieb im Gehörgang hängen bleiben gibt es auf dieser Scheibe nicht, aber gebt dem Album ruhig etwas Zeit und es entfaltet seine ganze Pracht und wird Euch mit Sicherheit auch auf längere Zeit Freude bereiten. Erfreulicherweise erinnert Tragic Idol stark an frühere Zeiten, aber es schafft es dennoch musikalisch die Brücke in die Gegenwart zu schlagen und sich nicht in den 90ern zu verheddern. So muss man natürlich auch mit Vergleichen zum Beispiel zu Icon vorsichtig sein. Die Band hat sich weiterentwickelt, die Stimme von Holmes hat sich weiterentwickelt und das ist auch gut so, denn sie passt genau zu dem, was Paradise Lost jetzt spielen. Und gerade Holmes und Mackintosh scheinen sich bei der Aufnahme immer weiter hochgeschaukelt zu haben.

Die Limited Edition des Albums bietet übrigens mit „Ending Through Changes“ noch einen richtig starken Bonustrack.

Fazit: Wer schon das letzte Album wieder ganz gut fand, wird mit diesem erst recht seine große Freude haben und wer die Band seit den 90ern nicht mehr beachtet hat, der sollte auf jeden Fall mal reinhören und sich positiv überraschen lassen. Das Album funktioniert einfach als Gesamtkunstwerk und bietet dennoch die nötige Abwechslung.

Paradise Lost haben sich scheinbar mit Tragic Idol mal locker wieder an die Spitze des Dark/Gothic Metal katapultiert.

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Reinhörtipps: Der Opener und In This we Dwell

Homepage: www.paradiselost.co.uk

Line-Up:

  • Gesang: Nick Holmes
  • Gitarre: Greg Mackintosh
  • Gitarre: Aaron Aedy
  • Bass: Steve Edmondson
  • Schlagzeug: Adrian Erlandsson

Spielzeit: ca. 46 Minuten

Tracklist:

  1. Solitary One
  2. Crucify
  3. Fear of Impending Hell
  4. Honesty in Death
  5. Theories from Another World
  6. In This we Dwell
  7. To the Darkness
  8. Tragic Idol
  9. Worth Fighting For
  10. The Glorious End