Doppelreview: Die Ärzte – auch

Ein Doppelreview hatten wir bis jetzt kaum, das letzte war auch eher aus Belustigung über die durchwachsene „verschiedene Bands covern Metallica“ entstanden. Jetzt ist es mal wieder so weit und ihr könnt hier die Meinung von Sebastian und sprity zur aktuellen Die Ärzte Platte „auch“ lesen:

Sebastian: 
Warum habe ich mir nun diesmal wieder ein Album von Die Ärzte gekauft ?
Das war eine der Fragen die sich mir stellten, nachdem ich die Bestellung abgeschickt hatte, schliesslich war diese Veröffentlichung der Besten Band der Welt nicht gerade günstig.
Günstiger als im Elektromarkt, aber immer noch nicht wirklich günstig.
Dazu sei natürlich gesagt das ich mir dieses Album auf Vinyl gekauft habe, also als Doppelschallplatte die in einem gelungenen Artwork daherkommt, wie wir es seit einigen Veröffentlichungen von Die Ärzte gewohnt sind.

So war die letzte Platte noch in einem Pizzakarton, es gab eine CD in Plüschverpackung, diese hier kommt in etwas daher was wie ein Brettspiel aussieht, auch so gestaltet ist.
Dazu schweres Vinyl und als Überraschung liegt eine CD bei, anstatt Downloadcode.
Sehr feiner Zug, Preis/Leistungsverhältniss stimmt wieder einmal bei der Band aus Berlin.

Jetzt muss nur noch die Musik mithalten, da konnte mich die Band auf den letzten Alben immer weniger überzeugen.
Daher war ich auch nicht so sicher ob bei dieser Platte, ausser für die Verpackung, sich der Kaufpreis lohnen würde, ob mir die Musik zusagen würde.

Das Album an sich ist gar nicht mal so schlecht geraten, die Ärzte agieren wieder mit Spielfreude, mit Witz, wenn er auch hier und da doch recht albern wird, aber der Witz ist wieder da und dazu eher kraftvolle Songs, nicht ganz so ruhig wie ich die letzte Veröffentlichung noch in Erinnerung habe.

Mein Eindruck kann natürlich auch daher rühren das ich eben noch die letzte eher enttäuschende Veröffentlichung vor Augen habe, denn ein Knalleralbum ist auch auch nicht geworden, auch nicht nach mehreren Hördurchläufen.
Es ist wieder einmal ein eher durchwachsenes Album geworden, mit recht gelungenen Ideen was die Texte und die Songs angeht, aber auch mit recht entäuschenden Songs, die mich überhaupt nicht überzeugen.
Am Stück und durchgehend ist das Album nicht so leicht zu hören, einzelne Songs könnten aber schon Dauerbrenner werden, wie ZeiDverschwÄndung, Ist das noch Punkrock? oder TCR.

Das Album rockt nicht durchgehend, so einiges ist einfach albern, auch nicht wirklich musikalisch mein Ding, andere sind schon recht gelungen, wie eben auch bei den letzten Alben der Band, wobei ich auch dann doch homogener und gelungener empfinde.

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sprity:

Ok, jetzt aber wirklich. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon versucht habe dieses Review zu beginnen. Während Sebastian schon fertig war und auf meinen Teil gewartet hat, habe ich immer wieder angefangen und das ganze wieder verworfen und das Album noch mal angehört.

Die Ärzte zählen einfach schon seit meiner Kindheit zu meinen absoluten Lieblingsbands, alles was sie als Trio machen sowie das meiste Solozeug (mal abgesehen von der Trennungsphase und dem zweiten Bela Album) gefällt mir und wie soll ich da das neue Album auch nur annähernd objektiv beurteilen? Ich versuche es also erst gar nicht, sondern schildere hier eher nur die Eindrücke eines Fanboys.

Apropos Eindrücke, Eindruck macht ja wie schon seit ein paar Alben die Verpackung. Kam das letzte Album noch als Pizzaschachtel daher dessen Inhalt man nicht verspeisen konnte, so gibt es jetzt eine Spieleverpackung mit einem Brettspiel zum Spielen. Die CD wurde praktischerweise als Drehscheibe gleich in das Spiel integriert. Gestaltet wurde das Artwork und das Drumherum (Merchandise etc.) übrigens seit 1993 erstmals nicht mehr von Schwarwel, sondern von Felix Schlüter. Aber aufgefallen ist mir das ehrlich gesagt erst, als ich es nachgelesen hatte.

Als mein Spieltrieb nachgelassen hatte und ich die Scheibe zum ersten Mal auflegte war mein erster Eindruck, dass sie mir schwächer vorkommt als der Vorgänger („Jazz ist anders„). Außerdem fand ich es dann doch etwas langweilig, dass es wieder einen Song über das Verhältnis zu den Fans („zeiDverschwÄndung„) und einen Opener mit Punkbezug („Ist das noch Punkrock?„) gibt. Aber das war nur der erste Eindruck und schließlich sollte man DÄ-Alben nicht bereits nach einem Durchlauf bewerten, denn viele Dinge, Witze und Ohrwurmfähigkeiten entdeckt man erst nach einer Weile.

Mittlerweile gefällt mir das Album ziemlich gut. Es wirkt geradliniger als der Vorgänger, man kommt schneller auf den Punkt und es sind halt immer noch die Ärzte. Klar, mittlerweile etwas erwachsener, aber doch meilenweit vom Betroffenheitspop anderer altgedienter Bands entfernt. Das ist auch gut so, denn so will ich die Ärzte: Mit einer großen Portion Humor, Spaß und Melodien. Es gibt einfach Songs, die können nur von den Ärzten kommen und keiner anderen Band. Als Beispiel sei hier mal „Tamagotchi“ aufgeführt: Ein Song, der sich im Vergleich zum Rest vermutlich eher schneller abnutzen wird, aber alleine die Idee über 15 Jahre nach dem Hype einen Song über dieses kleine Plastikküken zu machen traut sich sonst halt niemand.

DÄ Alben zeichnen sich ja schon fast traditionell durch eine gewisse Heterogenität aus, was dem Entstehen der Songs geschuldet ist. Wie man zahlreichen Interviews entnehmen kann, entstehen die Grundgerüste der Songs nicht gemeinsam, sondern jeder Arzt bringt schon grob fertige Songs mit. Wie gewöhnlich sind für mich hier die Kompositionen von Farin die stärksten. Danach wechseln sich in der Regel Bela und Rod von Album zu Album in der Reihenfolge ab. Diesmal bevorzuge ich dann doch eher die Songs von Bela im Vergleich zu denen von Rod.

Es ist also nicht verwunderlich, dass meine Albumhighlights „TCR„, „Waldspaziergang mit Folgen“ und natürlich „Cpt. Metal“ von Farin verfasst wurden. Das bedeutet aber natürlich nicht im Umkehrschluss, dass der Rest schlecht wäre. Nein, ich bin im Großen und Ganzen ziemlich glücklich mit der Scheibe und sie ist alles andere als zeiDverschwÄndung.

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Homepage: bademeister.com

Spielzeit: ca. 52 Minuten

Line-Up:

  • Farin Urlaub (Gitarre, Gesang)
  • Bela B. (Schlagzeug, Gesang)
  • Rodrigo González. (Bass, Gitarre, Keyboard, Gesang)

Tracklist:

  1. Ist das noch Punkrock?
  2. Bettmagnet
  3. Sohn der Leere
  4. TCR
  5. Das darfst du
  6. Tamagotchi
  7. M&F
  8. Freundschaft ist Kunst
  9. Angekumpelt
  10. Waldspaziergang mit Folgen
  11. Fiasko
  12. Miststück
  13. Das finde ich gut
  14. Cpt. Metal
  15. Die Hard
  16. zeiDverschwÄndung
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