Andre Lux, Egon Forever und das Interview

Andre Lux ist mir als autobot bekannt, als Comiczeichner, Labelchef bei That Lux Good Records und als Musiker bei Bavaria Bootskiosk, ferner hier und da als Fanzineschreiber.
Von diesen ganzen Sachen die er so gemacht hat ist er derzeit voll und ganz mit Egon Forever, der Comicreihe beschäftigt, von der es neben einer Webseite, einer Facebookseite, einem Twitterkanal auch ein tolles Buch gibt, wir haben es vor einiger Zeit vorgestellt.
Nun hat sich Andre Lux zu einem kleinen Interview bereiterklärt.
Dieses kleine Interview gibt es nun hier zu lesen.

btp: Hallo Andre,
deine Facebook Seite von Egon Forever hat nun schon über 1000 Fans, das ist ganz ordentlich, oder ?

Andre Lux: Ehrlich gesagt schaue ich da gar nicht so genau drauf und ehrlich gesagt ist das eine verfickt dreckige Lüge: Ich beobachte die Facebook-Likes ganz genau und bin auch immer ein bisschen traurig wenn sie mal weniger werden und frohlocke wenn sie in die Höhe schiessen.
Wenn man urplötzlich soviel Aufmerksamkeit bekommt obwohl man alles alleine macht, also ohne richtigen Verlag, Management oder die Polizei, dann ist das schon fein und macht noch viel mehr Spass bei der Vorstellung dass irgendwo Jemand sitzt der/die während des morgentlichen Internet-Checks beim ein- oder anderen Cartoon vor Lachen den Rockstar Energy-Drink ueber die Tastatur speit.

btp: Gut, die erste Frage zu diesem Interview war vielleicht nun nicht der beste Einstieg in ein Gespräch, doch schneit mir das Egon Forver ordentlich durchstartet.
Vor etwas längerer Zeit hast du schon einen Satz deiner Comics in Form eines Buches rausgebracht.
Wie fühlt es sich an unter die Autoren gegangen zu sein, sein eigenes Buch in der Hand zu halten und wie wie gut ist das Buch weggegangen ?

Andre Lux: Das mit dem Buch ist so eine Sache: Es ist ein Book-On-Demand, also ein Buch dass bei der Bestellung gedruckt wird, erschienen beim Engelsdorfer Verlag der vor geraumer Zeit damit warb, 80% der zugesandten Manuskripte unter Garantie zu verlegen, so lange der Inhalt nicht allzu schäbig wäre.
Zudem musste ich für die ISBN-Nummer und die blosse Existenz des Buchs auch selber ein bisschen was rüberschieben.
Pro verkauftem Buch bekomme ich ein paar Cents und ich glaube seit Erscheinen 2011 haben sich so in etwa 30-50 Exemplare verkauft was meinem Engelsdorfer Verlagskonto ca. 6 Euro eingebracht hat womit ich verlagsintern auf Shoppingtour gehen kann denn überwiesen wird erst ab 10 Euro.
So ein Buch ist also mehr so ein Ego-Ding: Klingt gut, sieht geil aus und kann ich fett mit angeben wenn die Leute meinen Namen bei Amazon oder Weltbild eingeben.
Ich hoffe trotzdem, dass das Buch noch seine Abnehmer findet und die bisherigen Käufer damit zufrieden sind.
Meine Idee war, einfach mal die Geschichte um Egon von Anfang an zu erzählen und festzuhalten weshalb ich mich dann für die kleine Klolektuere entschieden hab und auch ganz ernsthaft sehr stolz darauf bin.
Promo wie z.B. Rezensionsexemplare rumschicken hab ich alles selbst gemacht und supergern würd ich ja ein Zweites machen doch bisher hagelt es nur Absagen von echten Verlagen.
Ist ja auch klar, ich kann ja jetzt wirklich nicht mit einem Verkaufsgaranten protzen und für ein weiteres Book-On-Demand fehlt mir, dank meiner unbändigen Novo-Line-Sucht, einfach die Knete.

btp: Deine Comics sind meistens kurze Bildergeschichten von einem bis drei Szenen.
Ist es vorstellbar oder gar in Arbeit das eine längere Geschichte erscheint oder liegt die Würze der Egon Forever gerade in den kurzen und knackigen Pointen ?

Andre Lux: Dazu muss ich erzählen wie es überhaupt zu den Egon-Comics kam: Mir war als mittelmässiger Realschüler so langweilig, dass ich irgendwann angefangen hab, diese Strichmännchen zu malen – Deshalb auch immer noch das Karopapier. Anfangs waren das wirklich lange Geschichten aber eben auch auf dem zu erwartenden Niveau: Also ein Mann kommt in einen Laden und der Besitzer schiesst ihn tot, der Mann kommt in die Hölle und bumst mit dem Teufel und so weiter.
Da stand ja natürlich noch gar nicht die Idee, irgendetwas Sinnvolles oder Kritisches reinzupacken oder das ganze mit einer Pointe abzurunden.
Deshalb glaube ich auch, dass eine lange Egon-Geschichte so nicht funktionieren würde, denn so wie ich mich kenne würde das völlig ausarten und ich bekäme die Kurve nicht mehr.
Vor einger Zeit hab ich ja auch hin- und wieder längere Comics veröffentlicht, so über 6-9 Panels, aber da, wie du sagst, die Egons immer mehr durch Pointen funktionieren, dauert mir das zu lange um auf den Punkt zu kommen.

btp: Wird es, wenn ich nun schon nach eventuellen Veränderungen frage, vielleicht auch Egon Forever Comics in bunt geben ?

Andre Lux: Nee. Ich bin zu faul um bei der Scansoftware auf der Arbeit das Häkchen bei „Monochrom“ wegzumachen.

btp: Denkst du eigentlich groß über die Wirkung deiner Comics und Sketche nach oder legst du einfach los und stellst die fertig ?

Andre Lux: Seitdem mir immer mehr Leute ihr Interesse bekunden oder Kommentare unter die Bilder schreiben, denke ich da tatsächlich drüber nach.
Früher, als ich die noch bei Myspace hochgeladen hab, da hab ich einfach alles veröffentlicht ob witzig, ob blöd und auch ganz egal ob nur ich die Pointe verstehe.
Bei der Ausführung ist das auch noch so geblieben, da male ich einfach mit Spass, da gibt’s auch keine Idee oder irgendein Anspruchslevel welches ich im Vorfeld hab, ich schalte einfach ab und male halt.
Nur ob es dann hochgeladen wird, das überleg ich mir dann oft zwei mal.
Aber bis jetzt habe ich noch 80% von allem veröffentlicht, was so in meiner Mappe liegt. Ich nenne es: Das Engelsdorfer Verlag-Konzept.

btp: Denkst du groß drüber nach was die Leser erwarten und wie sie eventuell manche Witze auffassen könnten ?

Andre Lux: Wie gesagt, das ist schon sehr oft so, obwohl ich ja völlig ohne Regeln losmale.
Ich zeige das auch vorher Niemandem sondern lade den Scheiss halt einfach hoch.

btp: Entstehen deine Kurzgeschichten, deine Comics aus Beobachtungen heraus, zum Beispiel in Bezug auf deine Umwelt und deine Mitmenschen oder sind das einfach ausgedachte Geschichten ?

Andre Lux:Alles davon: Eigene Erlebnisse, Beobachtungen, Reaktionen von Leuten im Internet…
Ich mach auch lieber Geschichten zu solch alltäglichen und menschlichen Situationen wie Kacken und Kuchen kaufen als über tagespolitische Dinge und Sachen, die schon der Boulevard am selben Tag durchnimmt.
Da ist ein Gag zu zeitgebunden. Es gibt genug abgenudelte Witze über George W. Bush über die heute keiner mehr lachen wuerde.
Letztens habe ich übrigens gesehen, dass Platz 2 des deutschen Karikaturpreises 2012 an einen Sketch ueber einen Gruftie ging.
Wer redet denn bitte im Jahr 2012 noch ueber Grufties?
Selbst Emos sind so 2004.

btp: Gab es schon Beschwerden wenn ein Witz vielleicht zu geschmacklos oder unter die Gürtellinie ging ?

Andre Lux:Tatsächlich gab es immer mal wieder Kommentare und seltsame E-Mails von Leuten die nicht verstehen wollen dass wenn ich ein bestimmtes Setting darstelle, die Leute darin auch gefälligst so labern sollen wie sie es auch in Wirklichkeit tun.
Ein suedländischer Busbahnhof-Rüpel sagt nunmal nicht „Voll Konkret, ey, krass!“ so wie es uns im TV gezeigt wird.
Da müssen Worte wie „Missgeburt“ oder „behindert“ fallen – Zum einen fuer den Effekt und die Authentizität, denn häufig ist die krude Wortwahl ja auch gleich die Pointe und zum anderen wäre alles andere total schwul.

btp: Für die Zukunft. Setzt du voll und ganz auf die sogenannten neuen Medien wie Facebook, Blog und Twitter, oder wird ist vielleicht ein neues Buch in Planung ?

Andre Lux:Facebook ist natürlich die derzeit hochfrequentierteste Plattform und gar nicht wegzudenken.
Da bin ich mitten im Geschehen und sehe, wie die Leute auf die Egons klar kommen. Twitter habe ich erst angefangen und ich frage mich, ob es das so bringt, aber mal sehen.
Der Blog ist ja sowieso die Hauptseite www.egonforever.de – Schön übersichtlich, macht Bock.
Beim neuen Buch brauche ich zum ersten Mal ein bisschen Hilfe: Falls das Irgendjemand liest der glaubt, Egon bräuchte nochmal ein weiteres, eigenes Printmedium, dann schreibt Verlage an oder vielleicht arbeitet ihr ja auch bei einem.
Das klingt jetzt vermutlich völlig verzweifelt und total Opfer-mässig, aber ich hätte wirklich übelst Bock auf ein weiteres Egon-Buch mit vielleicht so 10-20 Seiten mehr als das letzte.

btp: Damit kommen wir nun auch schon zu dem Ende unseres kleinen Interviews, hast du vielleicht noch ein paar Schlussworte zur Hand ?

Andre Lux: Borleck, ich danke allen Supportern und regelmässigen Egon-Anglotzer/innen.
Es macht mir tierisch Spass die Dinger zu malen und ich hoffe dass ich der ein- oder anderen Person schon den Tag gerettet oder vielleicht auch nur die Sekunde.
Bestellt weiter das Buch und liket/teilt die Comics, erzählt euren Freunden davon und schreibt mir E-Mails, das ist cool.

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Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, oder mehr wissen möchte, Egon Forever findet ihr auf Facebook, auf der eigenen Webseite egonforever.de, auf Twitter und natürlich ist das erste Buch von Andre Lux und Egon Forever noch zu bekommen.
Falls ihr wissen möchtet wie der biotechpunk das Egon Forever Buch so findet, guckt mal hier in unsere kleine Buchbesprechung.