Review: Tervingi – Gotensaga

TervingiMit einer schon umfangreich zu nennenden Metalbox in DVD Box Format, kommt das Debütalbum von Tervingi hier daher.
Umfangreich deshalb, weil es sich nicht nur um eine Metallbox handelt, sondern weil sich neben einem normalen Coverheft hier noch ein weiteres Heft drin befindet, ein Heft in dem die Texte abgedruckt sind, mit Erläuterungen.

Tervingi selber ist die Bezeichnung für die Westgoten, die Band hat sich somit einen Gotenstamm als Namensgeber gegeben, ebenso wie dem Titel dieses Albums zu entnehmen ist das es sich hier insgesamt um die Goten drehen wird.

In der Wikipedia steht zum Namen der Tervingi folgendes:

Die Westgoten hießen auch Tervingi (hauptsächlich in ihren Siedlungsgebieten nördlich der Donau) oder Vesi- bzw. Visigothi (hier jeweils die lat. Formen). Terwingen bedeutet „Waldleute“ (gotisch triu „Baum“); Vesi ist eine prunkende Selbstbezeichnung, die so viel bedeutet wie „die Edlen/Guten“.

Musikalisch wird auf Gotensaga
* Pagan Metal, oder schon Death Metal geboten, wobei das dann nur für die Musik eintrifft, die Band bedient sich glücklicherweise nicht an ausgetretenen Pfaden, folgt nicht den bekannten Stilelemente des Pagan Metal, sondern geht hier seinen eigenen Weg, was vielleicht auch daran liegen mag das hier durchgehend gestandene Musiker am Werke sind.

Die Band wurde von dem Lyfthrasyr Gitarristen Johann Frey gegründet, am Schlagzeug ist Tomasz „Nefastus“ Janiszewski, ehemals bei Belphegor.
Ferner noch zwei ehemalige und aktuelle Cornatus-Mitglieder.
Wie an dieser kleinen Aufzählung zu sehen sind hier Musker am Werke die schon wissen wohin so eine Reise eines Albums und einer Band gehen kann und sollte.

Eingeleitet wird das Album hier nun von einem an Filmusik erinnernden Intros, welches aber an dieser Stelle direkt das erste Lied darstellt.
Doch nach diesem kleinen Intro, welches einen Aufbruch darstellt, der auch hörbar in der Musik umgesetzt wurde, geht es danach richtig los.
Eine Mischung aus Folk- und Pagan Metal wird hier aufgefahren welche sich nicht zu verstecken braucht.
Wie gesagt, gestandene Musiker sind hier am Werk welche wissen was sie machen und dies auch können.

Musikalisch unterschiedet sich Tervingi von anderen Bands die vom Konzept her in die Richtung gehen vor allem durch den Gesangstil.
Zum einen werden die Texte auf deutsch vorgetragen, wohingegen die meisten Bands ihre Texte auf englisch vortragen.
Doch ein weiterer Punkt ist das hier nicht genretypisch gegroult wird, sondern gesungen.
Das ganze erinnert mich vom Gesangsstil ein klein wenig an Till Lindemann von Rammstein wenn dieser singt, wobei dieser Vergleich nicht in die Irre führen sollte, denn dieser passt, meiner Meinung nach, wirklich nur wenn Till Lindemann singt und sonst nicht.

Womit wir auch zu dem Knackpunkt dieses Albums kommen, den Gesang.
Im ersten Hördurchgang ist er für mich gewöhnungsbedürftig gewesen, weil so eben nicht erwartet.
Harten Metal und dann klaren Gesang, dazu noch auf deutsch, verständlich und nicht als Grouls oder dergleichen, das überrascht, das habe ich so nicht erwartet. (Ein bisschen schon, denn ich habe das Video zu Die Seherin vorher gesehen)
Der Gesang, der Gesangsstil kann die Meinungen um die Band spalten, glaube ich, wobei das sicher eine Geschmacksfrage ist und Tervingi hier einen eigenen Weg eingeschlagen haben, den ich zumindestens so noch nicht kannte.

Mein Fazit: Abgesehen von dem Gesang, der wie gesagt, die Meinungen über dieses Album zu spalten weiß, gefällt mir die Veröffentlichung recht gut.
Mit dem Gesang, der zu dem Szenario, zu den Texten und der Saga, den Geschichten die hier vorgetragen werden, kann ich leben.
Er trifft nicht meine Erwartung, doch bereichert er die Musik, die eine umfassende Geschichte erzählt und nach einer kleinen Gewöhnungsphase kann ich mir das hier auch gar nicht mehr anders vorstellen.
Vielleicht liegt es daran das ich auch Mittelalter-Rock höre und daher die Band vielleicht dort ein wenig abgleiche.

Tervingi haben hier somit ein Album abgeliefert welches die Meinungen spaltet, wie ich auch einigen andern Plattenbesprechungen entnehmen kann.
Ferner ist aber auch nicht zu übersehen das sie sich mit dem Thema beschäftigt haben, wie dem großen Booklet zu entnehmen ist, denn dort befindet sich die Geschichte, die Texte komplett drin.

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Tracklist
1.Aufbruch zur grossen Wanderung
2.Der Goten Eid
3.Die Seherin
4.Töchter schnellen Wassers
5.Der Hörner Ruf
6.Reka
7.Der Absched
8.Alewars Schmiede
9.Wiltrichs Recken
10.Stadt aus Asche
11.Epilog

Erscheinungsdatum
5. April 2013

Label
Source of Deluge Records

Besetzung
Johann Frey (lead, rhythm guitars & vocals)
Aria Keramati Noori (lead & rhythm guitars, speaking choirs on #2,8,10)
Todd Goldfinger (bass guitar)
Tomasz ‚Nefastus‘ Janiszewski (drums)
Julian Pešek (keyboards)

Gäste
Ada Flechtner
Francesca Dürr
Simon Maria Hassemer, Malte Bartz, Johannes Wolff