Kolumne: Provocatio um jeden Preis?

Saltatio MortisEs gibt Themen, die sind mir egal. Oft. Interessieren mich nicht sonderlich.
Doch es gibt auch Themen die kommen mir näher. Das ist schon in Ordnung so, doch ist das Thema dann nicht in Ordnung, meist.
So nun auch das Thema rund um Saltatio Mortis.
Eine Band die ich schon recht lange musikalisch kenne, quasi seit dem ich sie das erste mal auf einem Mittelaltermarkt gesehen habe.
Ich tippe mal das es Burg Satzvey war.
Danach habe ich die Band noch einige Mal gesehen, an verschiedenen Orten, auf Märkten und Konzerten und wenn ich dort war, dann hauptsächlich wegen der Band.
Ich vermute mal ich kann mich Fan nennen, ich mag die Band, ich mag ihre Einstellung und vor allem ihre Musik.
Ihre Spielfreude, ihr Auftreten, ihre Bühnenshow.

Doch dann kam das aktuelle Album. Die aktuelle Single. Öffentliche Briefe von der Band.
Wachstum über alles kritisieren, doch den öffentlichen Brief hierzu exklusiv bei EMP.
Alben vorbestellbar exklusiv bei Amazon.

Vielleicht setzt meine Kritik am Wachstum über alles schon früher an, vielleicht habe ich den offenen Brief und auch den Songtext auch nur ein wenig mißverstanden.
Vielleicht sind die großen Kapitalisten auch gar nicht so schlimm.

Das waren ein paar der Punkte die mich im Laufe des Jahres zwar störten, weil ich das für inkonsequent halte, doch kann ich damit noch leben, auch wenn es sicher bessere Möglichkeiten gibt, wie eine exklusive Vorbestellmöglichkeit nur bei der Band im eigenen Shop.
Nur mal so als Beispiel.
Und den offenen Brief, ich sagte es schon einmal, nicht bei EMP sondern bei Campact, mal als weiteres Beispiel.
Eben Produkte dort exklusiv verkaufen und dort seine Fans hinleiten wo man am Ende meint das die Aufmerksamkeit vielleicht hingehören würde.

Aber gut, es soll natürlich auch immer eine Zielgruppe erreicht werden und vielleicht ist diese eher bei EMP zu finden als wo anders.

Doch trotz all dieser Kritik am Wachstum kommt nun vor Weihnachten die dritte Veröffentlichung raus, die zweite Live-Veröffentlichung.
Auch das ist so eine Sache die dann mir ein wenig merkwürdig vorkommt.
Aber gut, die Band ist groß, da haben viele Musiker Hunger.
Ich muss die DVD nicht kaufen und gut ist es.

Doch der größte Punkt der mir sauer aufstösst ist, das die Band ein kleines Festival mit Frei.Wild spielen möchte.
Wohin soll die Reise gehen, liebe Spielleute?

Auf die Kritik daran veröffentlicht die Band ein Statment das es für mich noch schwerer macht sie zu verstehen, als das es irgendwas erklären würde.

Nein, Saltatio Mortis, man wird natürlich nicht zum Nazi nur weil man vielleicht mit einem spielt.
So einfach ist es auch nicht.
Aber wenn ihr doch eure Texte ernst meint, dann ist Frei.Wild irgendwie nicht passend zu euren Themen.
Von der Musik einfach nicht zu reden, die geht in eine andere Richtung.

Ich will auch gar nicht hören das man das alles nicht wissen konnte.
Ich gehe einfach davon aus das ihr wusstet was dieses Tagesfestival, auf dem fünf Bands spielen werden, an Reaktionen auslösen wird.

Ihr, Saltatio Mortis, wollt also Klartext sprechen.
Das ihr fair und ehrlich. Finde ich gut.
Das Statment macht es aber mir noch schwerer die Sache zu verstehen.

Unter dem ersten Punkt macht ihr klar was auch aus euren Texten rauszuhören ist.
Ihr seid weder rechts, noch irgendwas in dieser Richtung.
Das finde ich gut, das habe ich so erwartet.

Unter dem zweiten Punkt lehnt ihr Frei.Wild und deren Texte, deren Aussagen ab.
Auch ein Statment, ein fester, solider Punkt.

Doch dann kommt der dritte Punkt. Frei.Wild boykottieren haltet ihr also für den falschen Weg.
Keiner muss hier irgendwen boykottieren, doch müssen die Spielleute die Band auch nicht als Vorband unterstützen.
Boykott wird für falsch erachtet, doch ist er nur hier falsch, oder immer und wenn er immer falsch ist, dann geht es hier nun hinaus in ein riesiges Themenspektrum der Politik.

Der vierte Punkt macht es dann am schwierigsten den Standpunkt von Saltatio Mortis nochzuvollziehen.
Ihr kennt die Band Frei.Wild nicht persönlich? Ich auch nicht.
Doch um jemanden kennenzulernen muss man sicher nicht als Vorband auftreten, sondern, das ist sicherlich möglich, kann dort einfach so auf ein Konzert vorbeigehen.
Konzertticket kaufen, hingehen, vielleicht im Backstage mit denen ein Bier trinken und danach entscheiden wohin die Reise geht.
Da muss nicht also Vorband aufgetreten werden und damit erst einmal, wieder, Aufmerksamkeit in die Richtung gesteckt werden.

Saltatio Mortis kennt sicherlich viele komische Bands noch nicht persönlich, soll erstmal immer ein Konzert mit denen stattfinden um diese dann nachher ablehnen zu können?

Nun bin ich Fan genug um von dieser Aktion einfach nur enttäuscht zu sein.
Ich habe die Band auf kleinen Mittelaltermärkten spielen sehn und dann deren Musik zu lieben angefangen.
Sie sind gewachsen, haben größere Sachen gemacht, aber waren eigentlich immer ehrlich zu ihren eigenen Spielmannstandpunkten.
Doch kommt nun dieser Tag. Dieses Statment, dieses mit den anderen spielen wollen.
Das dürft ihr, sicherlich, wer bin ich, es verbieten zu wollen, doch enttäuscht es mich vollkommen als Fan von euren Werten und eurer Musik.
Hat mich dieser exklusive offene Brief damals zu Wachstum über Alles auf EMP schon enttäuscht, so treibt ihr hier den Keil in mein Fan-Herz.

Ich liebe eure Musik noch immer, eure Stimmung auf den Konzerten, doch kann ich mit dieser Aktion nicht weiter eurer Fan sein, vor allem nicht nach dieser aus meiner Sicht mehr als dummen Rechtfertigung dieser Aktion.
Ihr wollt also mit und für Frei.Wild spielen?
Bitteschön, ist nicht verboten, doch dann spielt ihr einfach nicht mehr für mich, so sehr die Liebe hier im Herzen schmerzt.
Macht es gut.
Eurer biotechpunk

PS: Ich habe noch immer die Hoffnung das dies alles sich irgendwie erklären wird.
Als Fan einer Band, als Fan der Musiker. Das Mißverständniss ist gerade einfach recht groß über dies alles.
Doch soll es das gewesen sein, dann ist dem eben so, so schade wie ich es finden mag.
Der Text liegt auch schon ein paar Tage hier herum, um den Wind aus der Sache zu nehmen und um zu sehen wie es sich entwickelt.
Eine „Hexenjagd“ bringt niemanden etwas, daher wollte ich es einfach mit Ruhe angehen.
Doch manchmal, manchmal entwickeln sich Interessen und Personen in unterschiedliche Richtungen, auch wenn sie sich lieben und liebten so lassen sie sich doch scheiden.
Vielleicht ist dies hier nun der Punkt.