Schraubenyeti – Das Tier am Klavier!

SchraubenyetiSchraubenyeti – Das Tier am Klavier!

Nicht nur Martins Album heißt so, sondern auch seine Leidenschaft am Schrauben, bauen, Klavier spielen, gaben ihm seinen einmaligen Namen.
Zuletzt kam er gar aus Australien zurück,also Zeit für ein schnelles Interview zwischen Tür und Angel.

1.)E.L.: Hallo, bist ja seit einiger Zeit wieder zurück von Australien, den Wechsel zum Wetter und etwas menschlich kälteren Deutschland gut überstanden?

S.: Hi!
Ja ich musste mich tatsächlich erstmal wieder umgewöhnen, habe am Anfang nicht mal n Pullover gefunden in meinen vielen Umzugskisten 😀
Aber es ist auch schön mitzuerleben, wie es wieder Frühling wird und das Leben erwacht.
Das ist neben dem Sommer doch die schönste Jahreszeit.

2.)E.L. :Dein Klavier blieb bei deiner Australienrundreise natürlich Zuhause, Gitarre ist da um einiges handlicher.
Welche instrumentalen Erfahrungen, waren deine Reiseleiter?

S. : Instrumental habe ich natürlich ein paar Gitarrensongs geschrieben, die etwas anders und neu sind, was ich aber erfrischend finde.
Es sind auch englische dabei, bisher hat es aber nur einer davon ins Live Set geschafft.
Auf der anderen Seite bin ich auf die lokalen Instrumente gestoßen, wie zB das Didgeridoo.
Ist zum Atemtechnik trainieren ganz nett, wird wohl aber kein Instrument, mit dem man mich auf der Bühne sehen kann.
Vernarrt habe ich mich dort auch ein bisschen in den Banjo Sound vieler Folksongs, den ich sehr gern auch in meine zukünftige Band holen würde – So viele Leute spielen das aber gar nicht hierzulande.

3.) E.L. : Wie stark wahr die Wirkung der Städtekultur und Wildnis der Ureinwohner für dich?

S : Die Wildnis im Allgemeinen ist für mich das Beeindruckenste am Kontinent gewesen, was man so hier nicht kennt.
Anfangen vom hunderte Kilometer langen Autofahren über die Unterwasserwelt bis hin zum Sternenhimmel.
Wie allerdings die Ureinwohner und
„weißen Einwander “ gegeneinander oft sehr rassistisch agieren ist jedoch erschreckend gewesen für mich und hat auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Leider kriegt man als „weißer“ von den „wilden“ Ureinwohnern daher nicht viel mit.
Aber auch diese gehen mit der Zeit und haben Handys, nutzen das Internet und fahren Jeeps wie jeder „Aussie“.

4.) E.L. : Können hier sicher ein ganzes Interview über Australien machen, doch interessieren sich sicher die meisten, mit welchen kreativen Ideen man im Handgepäck zurück gekommen ist?

S. : Nun wie gesagt habe ich ein paar neue Songs und Ideen mitgebracht, die alle auf der Gitarre geschrieben wurden.
Das legt nahe, eine kleine EP mit diesen Songs aufzunehmen.
Würde auch gut als Gegenstück zu meinem letzten reinen Klavier Album passen.
Das ist bisher allerdings nur in meinem Kopf und es gibt noch keinen konkreten Plan.
Wenn ich aber im Herbst wieder mehr Zeit habe, könnte es durchaus eine
„Australien – EP“ geben.
Außerdem möchte ich dann auch anfangen, mir eine Band zusammen zu suchen und die Schraunenyeti Songs in Richtung FolkRock auf die Bühne zu bringen.
Zu dem Zweck bin ich unter anderem auch nach Leipzig gezogen, um in diese Musikszene einzutauchen.

Schrauenyeti Album 5.) E.L. : Deine Idee mit schwimmenden Klavier, scheint doch recht gewagt, wilde Stücke sind dabei sicher auch ein Gleichgewichtsrisiko.
Aber für solche Erlebnisse nimmt man sicher auch mal das ein oder andere auf sich?

S. : Nun diese schwimmende Klavier Idee in Schwerin ist tatsächlich eine fixe ( Schnaps-)Idee gewesen, die wir dann aber mit Freunden umgesetzt haben und ein ganz besonderes Highlight in 2015 war.
Wir wollen es auch dieses Jahr wiederholen am 22.6.2016.
Natürlich birgt das ganze auch ein gewisses Risiko für Musiker und Instrument, aber es schafft auch eine ganz besondere Atmosphäre, die ich ja bewusst mit meinem Klavier auf Rädern suche.
Das Konzert auf dem Wasser ist da nur ein Beispiel aus Konzerten auf einem Alpengipfel, im Stadtpark oder auch in der Straßenbahn.
Dafür habe ich aber dieses Klavier gebaut: Um an Orten zu spielen, wo man sonst mit einem Piano nie hinkommt.

6.) E.L. : Jetzt haben wir ja noch deinen musikalischen Lebenslauf ganz ausgelassen.
Was ging deiner Erscheinung am Klavier voraus, die ich bei Magnus Monds Sendung Extrem Liedernaching entdeckte?

S. : Das Klavier auf Rädern spiele ich schon sehr lange, allerdings ohne Räder in meinem Elternhaus.
Mit 5 Jahren habe ich angefangen darauf Klavier zu spielen und mit 15 die erste Band gegründet.
Neben dem Klavier habe ich auch viele andere Instrumente wie z.b. Gitarre, Geige und Saxophon ausprobiert.
Am Ende bin ich aber immer zum Klavier und Gesang zurück gekehrt und habe schließlich meinen Stil gefunden.
Musik war immer mein Hobby, was in den letzten Jahren dann immer intensiver wurde.
2015 habe ich dann meinen Schlosser – und Ingenieursjob an den Nagel gehängt und angefangen, Vollzeit meine Musik zu machen.
Das war auch zunächst ein Experiment, da ich rausfinden wollte, ob ich nach einem Jahr immer noch Bock darauf habe und ob es funktionieren kann.
Heute kann ich sagen : Ja! Ich habe mehr Motivation denn je, mich als Musiker weiter zu entwickeln.

7.) E.L. : Habe zu deinem „Ein Tier am Klavier“ Album auch deine Umwelt breiteren D.I.Y.- Tragetasche entdeckt, die man bei dir erwerben kann.
Benutze solche nun schon 23 Jahre ausschließlich, statt Plastiktüten.
Auf das Thema Haltbarkeit & Umweltschutz sicher ein gutes Argument so eine Tasche von dir zu erwerben.

S. : Auf jeden Fall!
Vor allem schmeißt man mit dem Erwerb meines Merch keinen Drittanbieter das Geld in den Rachen, sondern unterstützt mich direkt.
Ich stelle alle Klamotten, Beutel und Rucksäcke in Handarbeit her, jedes ist somit ein Unikat und durch meine Hand gegangen.
Übrigens ist auch das Artwork meines Albums von mir entworfen, gezeichnet und gemalt.
Es freut mich dann immer besonders, wenn das den Leuten gefällt und die
Klamotten getragen werden.

Schraubenyeti Bild8.) E.L. : Wenn ich mir dein Lied
„Unterwegs“ anhöre kommt es mir manchmal etwas sinnlos vor, eine tolle eingerichtete Wohnung zu haben, wenn man diese kaum nutzt, weil einem das Leben aus verschiedensten Gründen ständig aus dem Haus treibt.
Wie läuft dein Leben so Unterwegs, Heim kommen so ab?

S. : Nun ich bin natürlich viel unterwegs, das stimmt.
Es tut aber auch sehr gut, nach Hause zu kommen und mit den Mitbewohnern beim Kaffee oder Bier zusammen zu sitzen und die Tour auszuwerten.
Ich habe auch nur eine 9 qm Zimmer mit Hochbett, allein schon um Kosten zu sparen.
Das ist dann aber umso gemütlicher eingerichtet.
Sinnlos ist eine Wohnung auf keinen Fall, irgendwo müssen ja die Rechnungen hin geschickt werden. 😀
Auf Tour kommt es darauf an, wo ich spiele und wie warm es gerade ist.
Machmal schlafe ich im Bus, manchmal aber auch im Hostel.
Das coolste an dem Klavier im Bus ist aber tatsächlich, das ich überall damit Songs schreiben kann.
So ist auch der Song „Unterwegs“ auf einer Autobahntankstelle auf dem Weg zum Konzert entstanden.
Übrigens nehme ich auch gerne Freunde mit auf Tour, so bin ich momentan mit meinem Musikerfreund
„Rany“ unterwegs.
Wir spielen ein gemeinsames Programm, was wahrscheinlich bald ein eigenes Projekt mit Namen wird.

9.)E.L. : Neben deinen längeren Soloauftritten soll es nun mit Band weitergehen.
Auf welche musikalische Änderungen kann man sich dabei so einstellen?

S. : Musikalisch wird es auf jeden Fall vielfältiger!
Auf Dauer stößt man allein mit einem Instrument doch an Grenzen und es macht doch auch viel mehr Spaß, gemeinsam Musik zu machen.
Der Stil der Band soll meine Songs aufgreifen und unterstützen und wird sich wohl so in die FolkRock Ecke bewegen.
Dazu bin ich momentan auf der Suche nach Kontrabass, Banjo, Schlagzeug und Cello spielende Menschen im Raum Leipzig.

10.)E.L. : Zeit für eine Stichwortschnitzeljagd, sage einfach spontan was dir zu folgendem einfällt.

– Paternosteraufzug /
Rathaus Görlitz

– Crocodile Dundee /
Australien ? Come on! 😀

– Stadtputzfrau /
Die soll die ganze Stadt putzen?
Meine WG würde mir schon reichen!

– Briefpost /
Sehr schön, wenn es romantisch werden soll.
Generell bin ich aber ein Freund digitaler Post, bin nämlich nicht so der Papiertiger.

– Bild
Mache ich mir ganz unvoreingenommen von Menschen.

– Wecker
ich stehe nie mit dem Klingeln auf, brauche Immer einen „Notfallwecker“.

– Das fliegende Klavier (Film)
Oh cool, kenne ich gar nicht.
Muss ich mir mal anschauen bei Gelegenheit.

– Extrem Liedermaching /
extremst mit Klavier auf dem Wasser
(fliegen kann meins noch nicht )

– Märchen
erzähle ich den Leuten gern zwischen meinen Songs

– Nationalsozialistische Liedermacher

unterstütze ich in keinster Weise.
Ich bin ein Verfechter des freien Geistes und weltoffener Kultur.

11.)E.L.: Wie erlebt es sich für dich wenn sich der Klang der eigenen Musik voll entfalten kann?

S. : Jeder Song ist ein festgehaltenes Gefühl.
Musik Im allgemeinen sind für mich in Töne umgewandelte Gefühle.
Und jedes Mal, wenn ich einen Song spiele, tauche ich in so ein Gefühl ein.
Das kann dann schwächer oder auch stärker sein bis zum kompletten Versinken in Gedanken und Musik.
Ich glaube das sieht man mir auch an, wenn ich gerade eintauche in so ein Gefühl „eintauche“.

12.)E.L.: Dein Klavier ist ja nicht gerade eine Gitarre, also welches Klavier findet bei dir Verwendung, das es möglichst leicht von Auftritt, zu Auftritt wandern kann?

S. : Mein Klavier ist von Waldheim, eine etwas billigere und leichter gebaute Variante eines Zimmermann Klaviers aus Leipzig.
Es wurde entwickelt, um eine kostengünstige Variante für den Musikunterricht der DDR zu bieten.
Ich habe mir dann (für irgendwas musste das Maschinenbaustudium ja gut sein )eine einfache Konstruktion ausgedacht, wie ich das Klavier auf Räder stelle und in meinem Bus ein- und ausladen kann.
Funktioniert ganz gut.
Überall, wo ein Rollstuhlfahrer hinkommt, kommt im Prinzip auch mein Klavier hin.

13.)E.L. : Fanatische Künstler, welche Ihre Meinung in das Hirn ihrer Zuschauer hämmern wollen, sind natürlich für das Fanzine geblockt.
Wie weit dürfen deiner Meinung, der inspirative Einfluss eines Künstlers auf seine Zuschauer reichen?

S. : Musik soll ja inspirieren, bewegen und den Kopf anstoßen.
Ich freue mich, wenn mein Publikum meiner Meinung ist und ich es bewegen kann.
Ich fahre aber nicht zu einem Konzert, um irgendjemanden von meiner Meinung zu überzeugen.
Was jeder denkt ist seine Sache.
Nur leider schreiben und sprechen in letzter Zeit immer mehr Menschen Dinge aus, die besser erstmal durch das Hirn hätte wandern sollen denn durch ihren Mund oder Hände.

14.)E.L.: Habe noch deinen tollen Interviewbeitrag von Magnus Monds
„Extrem Liedermaching“ im Ohr.
Schön so locker ausgrfragt zu werden?
Kannst mich natürlich auch mit Fragen Löchern.

S. : Ja ich muss sagen, ich mag es mehr mit jemanden „Face to Face“ bei einem Kaffee oder im Park zu plaudern, aber in unserem Fall war das ja etwas schwierig.
Dazu würde ich dich erstmal gerne kennen lernen, bevor ich dich mit Fragen löchere -hast du einen Hund ?

E.L.: Leider nicht, weil ich leider nicht die Zeit aufbringen kann, die man für so ein Lebewesen haben sollte.

15.)E.L.: Was waren so die schönsten Überraschungen mit denen nicht zu rechnen war?

S. : Der Anruf von Alligatoah, ob ich auf seinem neuen Album mitwirken will.
Das vergess ich nicht so schnell.
Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, mit ihm kreativ zu arbeiten, mir hat seine Bodenständigkeit sehr gefallen.

16.)E.L.: An dieser Stelle gibt es die Freiheit nach belieben das Interview zu beenden, Bild, Liedtexte,…
Danke dir für alles, sehen dich hoffentlich bald Live…

S. : Freue mich auch, dich bald mal in Natur zu treffen!
In dem Sinne…

„Auf wundersame Weise geht jeder auf die Reise “
(Schraubenyeti, „Unterwegs“)

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