[Konzertbericht] Luke Elliot (+ Snow Forest und Lolita Terrorist Sounds) live in Berlin

Luke Elliot im Privatclub

Luke Elliot live in Berlin

„Ich seh nix!“ rief Tatjana Uschakowa empört mit Blick Richtung Techniker, nachdem sie bereits ein paar Takte gespielt hatte, und zog somit gleich die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich. Nachdem das Licht heller wurde, fing sie den Song erneut an zu spielen, während immer mehr Publikum eintrudelte und einen relativ großen Halbkreis um die Bühne bildete. Eigentlich Sängerin der Band „Snow Forest“, stand Tatjana am Mittwoch als Solokünstlerin auf der Bühne, um den Singer/Songwriter Luke Elliot zu supporten. Die Band war angekündigt – wieso sie letztendlich als Einzige da stand, sagte sie nicht. Aber dass sie allein war, hinderte sie nicht daran, mehrstimmig zu spielen. Mit den Füßen bediente sie das Loop-Pedal, sodass sie mehrere Melodien mit ihrer Gitarre einspielen und gleichzeitig abspielen konnte. mit der Gitarre und geschlossenen Augen zog sie die Zuschauer mit ihren einfachen Texten und ruhigem Gitarrenspiel in den Bann und sorgte für ein aufgewärmtes Publikum.

Ebenso als One-Man-Band und mit Loop-Pedal im Gepäck, trat Maurizio Vitale unter dem Namen „Lolita Terrorist Sounds“ als zweiter Support für Luke Elliot auf. Ohne viele Worte, aber dafür mit vielen verbal erzeugten Geräuschen und einer lauten Trommel, erzeugte er einen fortlaufenden und in sich verzahnten Geräuschteppich, der bei den Zuschauern sowohl belächelnde als auch verträumte Gesichter erzeugte. An und für sich kann man nicht viel dazu sagen, außer: Wer es mag…

Dann, endlich: Die Band um Luke Elliot kam auf die Bühne und stimmte ihre Instrumente. Der Sänger ließ noch auf sich warten; die Band spielte erst ein Vorspiel. Als er dann auf die Bühne trat und am Klavier einsetzen wollte, machte er erstmal große Augen – es funktionierte nicht. Man hörte nichts. Nach einigem Herumprobieren gab er es auf, die Band verstummte und er schnappte sich die Gitarre, entschuldigte sich und blickte einmal kurz wütend Richtung Techniker. Nach dem zweiten Song wurde der erste wiederholt – diesmal mit funktionierendem Klavier – und die anfänglich etwas angespannte Stimmung war verflogen. Obwohl die Musiker sichtlich in ihrem Element waren – der Gitarrist tanzte vor sich hin, der Violinist lächelte mit verschlossenen Augen, der Schlagzeuger grinste fast durchgehend – kam meines Erachtens während der Show allgemein nicht so viel Stimmung auf – man wippte maximal mit dem Fuß – , aber sobald ein Song zu Ende war, konnte manche im Publikum kaum aufhören zu jubeln. Die eher nicht vorhandene Bewegung während der Songs war also wohl einfach der Musik zu verschulden, die wirklich eher ruhig ist. Aber trotzdem: Dass der Funken so richtig übersprang, konnte ich leider erst ab dem vorletzten Song so richtig merken. Luke Elliot und seine Band überzeugten insgesamt aber so sehr, dass das Publikum auch nach der Zugabe noch darauf drängte, eine zweite Zugabe zu hören. Luke kam also zurück, mit den Worten, er habe sich bereits seine Zigarette angesteckt, und spielte noch einmal solo. Das war dann aber wirklich der letzte Song und während er sich dankend erneut verabschiedete, huldigte ihm das Publikum genau wie vorher.
Alles in Allem ist Luke Elliot in erster Linie ein unglaublich sympathischer Mann, der zwischen den Songs sowohl mit Witzen als auch mit Selbstironie die durch seine Musik entstandene, etwas melancholische Stimmung auflockert. Gefällt einem das, was man auf YouTube, Spotify und Co. von ihm hören kann, lohnt es sich auf jeden Fall, sich auch einmal live von ihm überzeugen zu lassen!