[Review] Body Count – Bloodlust

Totgesagte leben länger. Body Count begleiten mich nun schon mein ganzes musikalisches Leben. Das erste Album der Jungs wurde 92 veröffentlicht, mitten in meiner musikalischen Findungsphase. Die Mischung aus Rock und HipHop war neu, grandios, laut, rotzig. Während in Good Old Germany Bands wie die Fanta 4 mit „Die Da“ im Radio hoch und runter dudelten knallten die Amis mit „Cop Killer“ ein Brett raus. Nach dem zweiten Album wurde es dann ruhig um die Jungs und erst mit „Manslaugter“ tauchten Sie wieder auf meinem Radar auf. Und zwar kein bisschen leiser. Nun also die neue Scheibe „Bloodlust“.

Body Count – Bloodlust

Es ist dunkel geworden im Land und dementsprechend ist das Cover in schwarz gehalten. Blutrot prangt der Bandname und Titel auf der Vorderseite. Dazu noch eine Gesichtshälfte die mit einer blutbespritzten Skimaske verhüllt ist und eine Dessert Eagle in der Hand hält. Beim aufklappen des Covers sieht man dann auf der Rückseite die unverhüllte Seite des Gesichts und kann Ice-T erkennen mit rauchendem Lauf der Wumme. Das Artwork lässt erahnen wie dunkel es geworden ist. Also Anlage an und los.

Los geht es mit einer fast klassischen Body Count Eröffnung: Sirenen heulen und eine Regierungserklärung wird in schlechter Qualität verlesen – Es ist Krieg. Und dann setzen auch schon Gitarre und Schlagzeug ein. Das Tempo ist merklich langsamer als auf der „Manslaughter“. Die Grundstimmung wesentlich düsterer, die Themen ernster. Unterbrochen wird dies durch einen brettharten Mittelpart. Klingt super und macht Lust auf mehr. Weiter geht es mit The Ski Mask Way. Schon deutlich schneller aber genauso ernst in seiner Grundstimmung. Beats und Riffs werden rausgedonnert wie ich es erwarte. Bei This is why we Ride werden die Jungs dann ruhiger. Erinnert fast an eine Rock Ballade, wenn Ice-T zum getragenen Gitarrenriff seinen Text spricht. Klingt erst mal sehr ungewöhnlich. Weiter geht es mit All Love is Lost, das mit einem stampfenden Sound daherkommt und im Refrain sehr an ein Heavy Metal Stück erinnert. Weiter geht es mit einem Slayer Medley Raining Blood/Postmortem. Ein richtiges Brett. Durchgehend hohes Tempo und schneidende Riffs. Nach dem Brett gibt uns die Band dann kurz Zeit zum Durchatmen mit God, Pleas belive me. Ein kurzes Zwischenspiel in welchem sich die Gitarre im Hintergrund merklich abarbeitet. Nach dieser kleinen Verschnaufpause geht es dann weiter mit dem Brett Walk with Me. Knallhart,  nur im Refrain fahren die Jungs dann wieder etwas runter. Anschließend gibt es ein kleines bisschen Horrorshow bei Here I go Again. Irre Schreie im Hintergrund gepaart mit schiefen Gitarren und eingehender Erzählstimme. Gefolgt von No Lives Matters, das sich in das Gesamtkonzept einfügt. Mittleres Tempo mit ausgefeilten Riffs im Hintergrund und einem sehr ernsten und nachdenklichen Ice-T. Kommen wir also zum Finale mit Bloodlust und Black Hoodie. Beide wieder richtige Knaller, allerdings nicht durchgehend. Brettharte Parts wechseln sich mit langsameren Parts ab. Insgesamt wirkt das Ganze aber immer wieder stimmig. Der Rausschmeißer Black Hoodie geht noch mal richtig nach vorne und bildet einen gelungenen Abschluss.

Mein Fazit: Die Jungs haben es nach wie vor drauf. Body Count sind und bleiben auch mit diesem Album Body Count. Wer vor gut 25 Jahren (ja, 25 Jahre ihr alten Säcke) zu Cop Killer das Pogobein geschwungen hat, der kommt auch mit Bloodlust auf seine Kosten. Auch wenn die Grundstimmung im Vergleich zur Manslaughter Scheibe wesentlich düsterer und nachdenklicher ist, funktioniert das Album dank seiner guten Mischung sehr gut. Einen großen Beitrag dazu liefern eine Reihe von namhaften Gastautritten. Diese funktionieren mal mehr, mal weniger gut, sind aber alles in allem sehr stimmig. Ein gelungenes Album, auch wenn es von der Grundstimmung her düsterer und nachdenklicher als andere Body Count Alben daherkommt.

Trackliste:
01. Civil War
02. The Ski Mask Way
03. This Is Why We Ride
04. All Love Is Lost
05. Raining Blood / Postmortem
06. God, Please Believe Me
07. Walk With Me
08. Here I Go Again
09. No Lives Matter
10. Bloodlust
11. Black Hoodie

Label:   Century Media