[Kolumne] Einfach mal genervt sein…

Musik. Massenweise Musik. Überall. Aufmerksamkeit. Rufen nach eben dieser.

Mehr als nur ein Produkt

Ist es noch ein Rufen, oder ist es schon ein Schreien?
Täglich. Wöchentlich. Monatlich.
Immer wieder und wieder und wieder.
Aufmerksamkeit, immer wieder neue Aufmerksamkeit will generiert werden.
Und wir, der biotechpunk, mitten drin in dieser Maschine.
Kostenlose Reklame, Verstärker der Meldungen. Verstärkung der Rückmeldungen.

Alben werden eingespielt, aufgespielt, veröffentlicht. Versendet, wollen beachtet werden. Massenweise. Immer mehr, denn davon lebt die Maschinerie. Produkte der Kunst. Produkte ohne Kunst. Produkte. Weil es möglich ist. Weil es Umsätze generieren kann und soll.

Mitten drin und doch nur am Rande wir, der biotechpunk.
Werfe dabei niemanden etwas vor. Die Plattenfirmen, die Promotionsfirmen, sie alle wollen ihre Dinge. Ich will meine Dinge.
Hier wird geschrieben. Über Musik. Andere spielen diese Musik, wollen mitmachen, veröffentlichen, gesehen und gehört werden.
Die Masse der Dinge fließt hier zusammen. Alles rein, alles auf einen Platz. Meinen Platz.
Das ist schon in Ordnung so. Aber es ist viel und die Menge der Produkte ist mehr als machbar in der Spanne der Aufmerksamkeit.

Es sind so viele Schätze unter den Veröffentlichungen, so viel tolle Sachen die teilweise in der Masse die hier eintrifft dann manchmal ein wenig untergeht. Was ich sehr schade finde.
Aber es sind auch so viele verschiedene Veröffentlichungen dabei die mehr wie reine Produkte wirken. Einfach nur schnell platziert um irgendwie Umsatz zu machen.
Da stellt sich mir schon oft die Frage ob es das wirklich ist was die Bands so wollen. Ist das alles der Anspruch an die eigene Kunst?
Wollt ihr wirklich solch halbfertigen Aufnahmen und Plattengestaltungen der Nachwelt hinterlassen?

Mehr Produkte – weniger Kunst

Wohin soll es gehen, wohin die Reise an dieser Stelle?
Könnte nun den Bogen wieder dahin schlagen das ich dies hier gerne bezahlt machen würden, doch mache ich das nun nicht. Wäre es mein Beruf, für den ich Geld bekommen würde dann könnte ich mich nur ein wenig mehr mit all diesen Massen an Veröffentlichungen auseinandersetzen. Dem ist aber nicht so.
Was dann also machen? Wie mit der Flut umgehen die hier nach Beachtung ruft?
Bin ich nicht selber eigentlich mitten drin, rufe ich nicht eigentlich selber nach Beachtung mit dem biotechpunk?
Bin ich nicht selber als Teil in der Maschine, mit Meldungen die gehört und gelesen werden wollen. Selber ein Teil der Aufmerksamkeitsmaschinerie die hier ihren Teil abgreifen möchte und gerne mehr vom Kuchen abhaben mag?

So buhlen wir alle um unseren Platz, jeder wirft seinen Hut in den Ring. Mein Platz ist dabei durchgehend in Bewegung, durch meine berufliche und private Entwicklung und auch meine Lust und meine Herangehensweise hier im biotechpunk. Auf der anderen Seite sind die Plattenfirmen in Bewegung. Suchen die besten Verstärker für ihre Produkte. Wobei es immer noch nicht Produkte sein sollten. Der biotechpunk ist auch kein Produkt. Es ist Kunst, es ist Kultur, aber keine Ware, kein Produkt. So sehe ich es nicht. Wer verkaufen will und muss, der macht ein Produkt, der biotechpunk ist keines und Musik sollte, meiner Meinung nach, ebenfalls keines sein.

Es nervt mich einfach nur noch das alles hier wie Waren gesehen wird. Nicht von allen Labels und auch nicht von allen Bands. Auch nicht von allen Fanzines und Magazinen, aber vieles kommt nur noch im Gießkannenprinzip wie ein Produkt hier an. Das mag ich nicht, das macht mir keinen Spaß.
Dann lösche ich halt mal wieder viele Seiten lang aktuelle, wichtige Plattenbemusterungsinformationen. Alles das beste, mit viel Liebe zu neuen Produkten des Monats kreiert. Morgen dann leider wieder vergessen, weil neue Ware aus den Presswerken rollt.

Daher will ich es für den biotechpunk nun für mich ein wenig neu gestalten, auch weil es sich im privaten die Umstände wieder ein wenig wandeln und mehr Liebe einfließen lassen und weniger Produkte. Weniger und am Ende mehr, mehr Kunst die hier aus Überzeugung vorgestellt wird, will ich es gerne mache. Die Berge an Mails werde ich dann weniger beachten und mich mehr auf die Details konzentrieren. Wir werden es, wie immer, einfach sehen wie sich das alles hier nun wieder entwickeln wird.

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