Review: Exodus – Exhibit B: The Human Condition

Falls ihr demnächst vorhaben solltet, ein Stück Wald zu roden, dann rate ich euch die neue Scheibe von Exodus zu Hilfe zu nehmen. Denn wo die neue Platte der Thrasher aus der Bay Area einschlägt, hinterlässt sie verbrannte Erde.

Exodus haben sich seit ihrer Reunion und der Veröffentlichung von „Tempo Of The Damned“ 2004 auf relativ hohem Niveau immer ein Stückchen gesteigert und so ist „Exhibit B: The Human Condition“ nur die logische Fortsetzung auf diesem Weg. Vergleiche mit dem Klassiker „Bonded by Blood“ möchte ich hier gar nicht anstellen, die meisten Klassiker haben nun mal den Vorteil, dass sie zu einer Zeit entstanden, als die unterschiedlichen Genres noch in großem Maße beeinflussbar waren und man die damals erschienen wichtigen Alben daher auf sehr lange Zeit in Erinnerung behält. Heutige Werke können das Rad der Zeit einfach nicht zurückdrehen und auch wenn man die Langlebigkeit von „Exhibit B“ jetzt natürlich noch nicht einschätzen kann, so behaupte ich doch, dass wenn es vor 25 Jahren erschienen wäre, mit Sicherheit jetzt immer noch beachtenswert wäre.

Doch genug mit der Vergangenheit, wir sind im Jahre 2010 und zurzeit machen wieder einige Thrash Metal Bands laut auf sich aufmerksam, ob das nun Slayer, Megadeth, Heathen, Testament, Overkill oder zum Beispiel auch Kreator sind. Auch Exodus stehen dem in nichts nach und erfreuen die Metalwelt. Auf „Exhibit B“ tun sie dies mit einem heftigen Riff-Feuerwerk, das auch nicht den nötigen Groove vermissen lässt. Die Songs sind gut geschrieben und der kraftvolle Gesang von Rob Dukes bringt sie auch unglaublich gut rüber. Ob das nun zum Beispiel gleich zu Beginn mit „The Ballad Of Leonard And Charles“ ein Song über zwei Serienmörder aus den 80ern, mit „Nanking“ ein Song über das 1937 von japanischen Truppen verübte Massaker in der gleichnamigen chinesischen Stadt, mit „Burn, Hollywood, Burn“ ein Lied über die auch bei uns bekannten Prominenten sind, die nur prominent sind, weil sie eben prominent sind und sonst nichts machen, außer ihr Gesicht ins Fernsehen zu halten oder mit „Class Dismissed (A Hate Primer)“ ein Song über Amokläufer ist. Dass es inhaltlich zum Großteil über die menschlichen Abgründe und was die Menschheit sich selbst antut, geht, verdeutlicht schon das gelungene Cover, eine Abwandlung des bekannten vitruvianischen Menschen von Leonardo Da Vinci. Auf „Exhibit B: The Human Condition“ ist er als Skelett mit den unterschiedlichsten Waffen, von Machete bis Handgranate, einer Bibel und Sprengstoffgürtel gezeichnet.

Nicht nur die kurzen Songs auf dem Album sondern auch die längeren Songs, die eine Länge von 7-10 Minuten haben, werden kaum langweilig, sondern transportieren die Energie und Spielfreude von Exodus über ihre komplette Länge. Das eher überflüssige Instrumental A Perpetual State Of Indifference“ wiederum stört glücklicherweise kaum, da es nur auf knapp 2:30 Minuten kommt. Im Unterschied zu den Vorgängeralben schaffen es Exodus auch wieder natürlicher und old schooliger zu klingen und haben die produktionstechnische Sterilität, die vorher vorhanden war, abgelegt. Die Kalifornier schaffen es hier, die Power und Energie aus den Anfängen des Thrashs in die heutige Zeit mitzunehmen und an die modernen Zeiten anzupassen. So zollt „Exhibit B: The Human Condition“ zwar der Vergangenheit Tribut, aber tut dies ohne veraltet zu klingen.

Hatten Exodus bereits mit dem Vorgänger „The Atrocity Exhibition – Exhibit A“ mal wieder ein Ausrufezeichen gesetzt, so hinterlassen sie mit „Exhibit B: The Human Condition“ gleich ein ganzes Rudel davon. Sie schaffen es, das hohe Niveau des Vorgängers nicht nur zu halten, sondern sogar noch etwas zu steigern und liefern ein mit rund 75 Minuten Spielzeit ziemlich umfangreiches Album ab, das sich berechtigte Hoffnung auf den Thrash-Thron 2010 machen darf.

__________________________________________________________

Was es sonst noch wissenswertes gibt:

  • Internetanlaufstellen:
  • Line-Up
    • Rob Dukes (Gesang)
    • Gary Holt (Gitarre)
    • Lee Altus (Gitarre)
    • Jack Gibson (Bass)
    • Tom Hunting (Schlagzeug)
  • Diskographie (Auszug, nur Studioalben)
    • 1985 Bonded By Blood
    • 1987 Pleasures of the Flesh
    • 1988 Fabulous Disaster
    • 1990 Impact Is Imminent
    • 1992 Force of Habit
    • 2004 Tempo of the Damned
    • 2005 Shovel Headed Kill Machine
    • 2007 The Atrocity Exhibition… Exhibit A
    • 2010 Exhibit B: The Human Condition
  • Trackliste:

01. The Ballad Of Leonard And Charles
02. Beyond The Pale
03. Hammer And Life
04. Class Dismissed (A Hate Primer)
05. Downfall
06. March Of The Sycophants
07. Nanking
08. Burn, Hollywood, Burn
09. Democide
10. The Sun Is My Destroyer
11. A Perpetual State Of Indifference (Instr.)
12. Good Riddance

(13. Devil’s Teeth – Bonustrack)

  • Spielzeit:
    • 74:14 Minuten
    • 78:31 Minuten mit Bonustrack
Metal Reviews