Review: Iron Maiden – The X Factor

Das zehnte Studioalbum von Iron Maiden war gleichzeitig mein Zweites nach „The Number of the Beast“. Das hatte sehr merkwürdige Gründe, die ich heute selbst nicht mehr so ganz nachvollziehen kann. Ich versuche es aber mal kurz zu erklären:

„The Number of the Beast“ habe ich geliebt, bzw. tue es ja noch immer. Vor allem wegen des genialen Gesangs, der perfekt zu den Melodien gepasst hat. Wer jetzt die Musiker waren, die dieses Album eingespielt haben, war mir aber relativ egal, ich hatte mich damals einfach nicht so dafür interessiert. Auch das Internet war damals noch nicht so weit, eine Nachschlagquelle wie die Wikipedia gab es noch nicht und auf irgendwelchen obskuren Wegen hatte ich die Nachricht gehört, dass Iron Maiden relativ am Anfang ihrer Karriere den Sänger gewechselt hätten. Bei einem Freund habe ich damals mal in irgendeinen der Nachfolger von „The Number of the Beast“ reingehört, ich weiß nicht mehr, welches Album es war, auf jeden Fall war ich etwas enttäuscht und bildete mir auch ein, dass der Gesang ein anderer wäre und schlussfolgerte dadurch, dass Bruce Dickinson nicht der Sänger gewesen war, der mich auf meiner ersten Iron Maiden Scheibe so begeistert hatte. Daher habe ich einfach mal die ganzen folgenden Werke ignoriert. Ich weiß, ein schwerwiegender Fehler, ich habe aber später Buße getan und alles nachgeholt. Auf jeden Fall dachte ich mir dann, als „The X Factor“ wieder mit einem neuen Sänger erschien, dass ich es jetzt ja mal wieder mit Iron Maiden versuchen könnte, da der vermeintlich ’schlechte‘ Dickinson weg ist. Was soll ich sagen, ich war jung und naiv mit meinen damals ca. 14 Jahren.

Das eher düster gehaltene, 1995 erschienene, Album hat mir zu jener Zeit ziemlich gut gefallen und es passte auch ziemlich gut zu der eher dunklen Stimmlage von Blaze Bayley. Seine im Vergleich zu Dickinson eher begrenzte Breite in der Stimme fiel erst später auf, als er ältere Songs gesungen hatte. Ich finde es auch bis heute nicht so schlecht, wie es von einigen gemacht wird. Das liegt aber vielleicht auch an meiner komischen, oben geschilderten, Vorgeschichte zu diesem Album. Das vom Film „Falling Down“ inspirierte „Man on the Edge“ gefällt mir zum Beispiel noch immer ziemlich gut und auch das eher ruhig beginnende „Fortunes of War“ über die Schrecken des Krieges aus der Sicht von zurückkehrenden Soldaten gefällt mir noch immer. Es fällt halt etwas aus der Reihe im Vergleich zu den anderen Maiden Werken, aber schlecht ist es bestimmt nicht.

Mit dem gut 11 Minuten langen Opener „Sign Of The Cross“ hat man auch mal gleich mal eine Hausnummer direkt an den Anfang gesetzt. Der Song schaffte es auch später, als Dickinson wieder zurück war, häufiger in das Live-Repertoire.

In meinen Augen ist das Album ziemlich gelungen und das Beste, was man damals ohne Dickinson machen konnte. Maiden schaffen es eigentlich immer, für den entsprechenden Sänger auch die richtige Musik zu finden. Das Album wird zu sehr unterschätzt, was aber verständlich ist, da es in der gesamten Diskografie von Iron Maiden natürlich nicht zu den Highlights zählt, aber wenn man es eigenständig betrachtet, ist es ein ziemlich gelungenes düsteres Metalalbum. Vielleicht sogar das düsterste, was Iron Maiden je veröffentlicht haben und mir gefällt es auch heute noch ganz gut.

Die Trackliste:

1. Sign of the Cross
2. Lord of the Flies
3. Man on the Edge
4. Fortunes of War
5. Look for the Truth
6. The Aftermath
7. Judgement of Heaven
8. Blood on the World’s Hands
9. The Edge of Darkness
10. 2 A. M.
11. The Unbeliever

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