Interview mit Akrea

Hallo zusammen,

vor einiger Zeit hatte ich von Euch und eurem aktuellen Album Lügenkabinett ein Review hier bei uns im biotechpunk geschrieben.

Es war mein erster richtig bewusster Kontakt mit eurer Musik und dieses Album hat mich direkt vollkommen überzeugt.

Frage : Stellt euch doch erst einmal kurz vor.
Was macht ihr so neben dem Musizieren in einer aufstrebenden Band ?
Studiert ihr, oder geht ihr irgendwelchen Berufen nach, oder könnt ihr schon von Akrea leben ?


Hi, ich (Schäffer) und meine 4 langhaarigen Kollegen sind gebürtige Oberpfälzer, oder allgemeiner – für diejenigen die mit dieser schönen Region nichts anfangen können: Bayern.
Neben dem Musikerdasein haben wir alle einen geregelten Tagesablauf – zwei von uns arbeiten, drei studieren.
Von Akrea zu leben ist momentan noch unmöglich, allerdings haben wir auch nicht das Ziel von der Musik zu leben.
Wir machen Musik um der Musik willen und um Spass zu haben.
Wenn sich dieses Hobby dann irgenwann selbst finanziert oder wir sogar (zum Teil) davon leben können – umso besser.
Jedoch plant keiner von uns ein Leben als „Rockstar“.


Frage : Ihr habt euch, wie man dem Wikipedia Artikel über Akrea entnehmen kann, im Jahre 2008 umbenannt.
Wie dort zu lesen ist, passierte das zeitgleich mit dem Vertrag bei Drakkar.
Hängt das zusammen, oder gibt es da noch andere Gründe für den Namenswechsel ?
Liegt es vielleicht daran das ihr die Sprache gewechselt habt, also nun auf deusch singt, soweit ich das nun rausgelesen habe, habt ihr zu Beginn noch auf Englisch gesungen.

Wir spielten schon länger mit dem Gedanken die Band umzubenennen.
Seit meinem Einstieg bei Inner Aggression (und auch schon etwas zuvor) hat sich der Musikstil stark geändert.
Was anfänglich sehr viele Blackmetal Elemente und englische Texte besaß wurde immer melodischer und – was wohl die wichtigste Änderung war – die Texte wurden nur noch in deutscher Sprache verfasst.
Im Laufe dieser Entwicklung wurde der Name Inner Aggression in unseren Augen immer unpassender.
Der Vertrag mit Drakkar war dann sozusagen das Zünglein an der Waage.
Wenn der Name geändert werden sollte, dann war das der letzte gute Zeitpunkt dafür – und so geschah es dann auch.
Da kamen also mehrere Faktoren zusammen und für uns passte alles zusammen um diesen Schritt zu gehen.


Frage : Die Kategorie für eure Musik ist angeblich Melodic Death Metal.
Als ich das Review geschrieben und auch als ich eure Musik gehört habe, ist mir mehr und mehr aufgefallen, dass Melodic Death Metal anscheinend heute für alles mögliche genutzt wird.
Seht ihr Euch auch in dieser Kategorie, oder würdet ihr Akrea woanders besser einsortieren ?
Als Beispiel ist anzuführen das zum Beispiel Neaera auch unter Melodic Death Metal aber dazu mit Metalcore unterwegs sein sollen, oder Arch Enemy auch in dieser Schublade stecken.
Ausser dem tieferen Gesang finde ich nun an dieser Stelle nicht so viele Bezugspunkte zwischen diesen drei Bands.


Es stimmt, inzwischen ist Melodic Death Metal ein seeehr großer Überbegriff geworden.
Wir legen nicht viel Wert auf diese Genrebezeichnungen.
Inzwischen gibt es einfach viel zu viele Vermischungen als dass eine klare Definition von Musik noch möglich wäre.
Aber wenn es den Leuten hilft sich etwas unter Akrea vorzustellen, dann darf man unsere Musik gerne als Melodic Death Metal bezeichnen.
Spätestens beim genaueren Anhören stellt man dann sowieso fest, dass wir auch aus anderen Bereichen Einflüsse verzeichnen.


Frage : Das Artwork eures aktuellen Albums halte ich für ziemlich gelungen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, oder wie wurde es ausgearbeitet ?
Wurde das von einer Agentur so erstellt oder hattet ihr irgendwelchen Einfluss darauf wie das Album aussehen wird ? Im aktuellen Metal Hammer Ausgabe November 2010 wird dieses Artwork als hässlich kritisiert, was ich so überhaupt nicht nachvollziehen kann.
Mich erinnert es ein wenig vom Stil her an Mittelalterrockbands und den Spielmannsachen.
Aber das ist sicher auch nur ein persönlicher Blick.

Dass das Artwork so polarisieren wird hätten wir beim erstellen nicht gedacht.
Wir überlegten wirklich lange wie wir die Grundidee des Lügenkabinetts in Bildform umsetzen sollten.
Nach einigen Ideen kamen wir zusammen mit unserem Designer sowie unserem Fotografen auf diese Idee.
Wir haben auch bei „Lebenslinie“ schon zusammengearbeitet und ein – wie ich finde – sehr gutes Ergebnis erzielt.
Dieses mal wollten wir alles noch feiner durchdacht haben – besonders was das Innere des Booklets angeht.
Es steckt viel Arbeit in dem Artwork und wir sind stolz darauf. Dass es immer ein paar Leute gibt denen so etwas nicht gefällt ist klar – Geschmäcker sind nunmal verschieden.
Wie man (auch als Autor eines Reviews in einem großen Printmagazin) damit umgehen soll bleibt jedem selbst überlassen.
Ein unvoreingenommener Geist sollte allerdings schon zum Grundinventar gehören wenn man sich mit so etwas beschäftigt.
Das Prinzip des überzeichneten, in seiner Erscheinung verzerrten Gauklers als Oberhaupt des Gebildes „Lügenkabinett“ hat seine Gründe.
Wir wollten nie ein Cover dass einfach nur böse oder hübsch aussieht.
Wir wollten ein Cover welches die Texte widerspiegelt, und wer sich mit den Texten befasst erkennt auch hier das Prinzip der Überzeichnung.


Frage : Wie sieht es mit euren Texten aus, teilweise wurden die in Reviews als platt bezeichnet, wie ich gelesen habe.
Das ist sicherlichAnsichtssache, doch wie viel wert legt ihr auf die Texte, sind die nur Bewerk zu der Musik, oder steckt dort immer ein tieferer Gedanke hinter ?
Haben die einen realen Bezug zu euch, oder sind sie eher als Geschichten anzusehen die mit den Songs erzählt werden sollen.
Mir fällt hier zum Beispiel der Song „Versprochen ist Versprochen“ ein.


Texte sind für uns sicherlich kein notwendiges Übel wie es bei anderen Bands manchmal der Fall zu sein scheint.
Wir legen Wert darauf dass die Texte eine Aussage haben und ein Konzept erkennen lassen.
Auf diesem Album spiegeln die Texte unseren Umgang mit der heutigen Gesellschaft wider.
In Zeiten von Internet und ständiger Reizüberflutung durch Medien aller Art entwickeln sich seltsame Auswüchse der Gesellschaft. Von genau diesen Dingen handeln die Texte und nutzen dabei die gleichen Mittel wie sie in stumpfsinnigen Tageszeitungen verwendet werden: Überzeichnung, Übertreibung, Verzerrung.
„Versprochen ist Versprochen“ ist hierfür das perfekte Beispiel.
Es ist eine Abrechnung mit den leeren Worten und Versprechungen die man ständig und überall hört.
Denn mit den Medien ist es genau so wie mit der Musik: bevor man sich eine vorschnelle Meinung bildet und etwas abstempeln will, sollte man sich einmal Gedanken darüber machen, was man da eigentlich vor sich hat und auch einmal hinter die (manchmal eben „hässliche“) Fassade blicken.


Wir danken herzlich für dieses kurze, aber interessante Interview.

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