Review: Children Of Bodom – Relentless, Reckless Forever


Da ist es nun, das langersehnte Nachfolge-Album zum eher enttäuschenden Blooddrunk.
Drei ganze Jahre haben sich die Melodic Death Metal-Virtuosen Children Of Bodom für Relentless, Reckless Forever genommen und das Ergebnis sind gerade mal 36 Minuten Musik.
Es liegt mir fern Alben nach ihrer Spielzeit zu bewerten, aber das ist für denn vollen Preis doch sehr, sehr dürftig, wenn man bedenkt das andere Bands längere EPs für weniger Geld veröffentlichen (z.b. Moonsorrow oder Rhapsody Of Fire).
Allerdings sind 36 Minuten erstklassige Musik natürlich besser als 60 Minuten einfallslose Kompositionen, wie sieht es also musikalisch aus?
Nachdem das letzte Album größtenteils eher negativ aufgenommen wurde war es fraglich in welche Richtung sich Children Of Bodom entwickeln würden.
Zurück zu dem Stil der früheren Alben?
Oder würden sie den thrashigeren Stil konsequent weiterverfolgen?
Die Antwort lautet wohl : Ja und Ja.
Denn Relentless, Reckless Forever schafft den Spagat zwischen den charakteristischen Melodien und dem harten Thrash-Riffing erstaunlich gut.
Aus beiden Stilrichtungen finden sich gute Songs auf dem Album, so ist das abschließende Northpole Throwdown bspw. eine 1a Thrashgranate, während der Titeltrack sich eher in die Richtung der älteren Werke orientiert, leider jedoch ohne jemals deren Klasse zu erreichen.
Versteht mich nicht falsch, Relentless, Reckless Forever ist auf keinen Fall ein schlechtes Album, aber es zeigen sich doch deutliche Abnutzungserscheinungen.
Was auf den früheren Meisterwerken noch frisch und inspiriert wirkte ist mittlerweile nurnoch Standard.
Instrumental bewegt sich die Band zwar immernoch auf einem schwindelerregenden Niveau, besonders das aberwitzige Gitarrensolo im bereits erwähnten Northpole Throwdown verdeutlicht das Können der beteiligten Musiker, aber irgendwie hat man sich doch an die Keyboard-Gitarrenduelle gewöhnt.
Was sich meiner Meinung nach noch weiter verbessert hat ist der gezieltere Einsatz des Keyboards, besonders gut zu hören im Opener Not My Funeral.
Diese untermauern den Sound und sorgen für mehr Eingängigkeit.
Eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt das Album, aufgrund seiner gesteigerten Härte, dennoch.
Allerdings münden alle Songs früher oder später in einen überwiegend gelungenen Refrain, bestes Beispiel hierfür ist meiner Meinung nach der Song Roundtrip To Hell And Back.
Dadurch bleiben sie im Gehör hängen und gestalten das Material wiederum zugänglicher.
Was jedoch meiner Meinung nach garnicht geht sind die Vocal-Effekte, die manchmal eingesetzt werden.
Besonders in dem ,bereits vorab veröffentlichten, Was It Worth It? sorgen diese für einen Soundbrei, der den Gesamteindruck deutlich runterzieht.
Ansonsten ist die Platte, abgesehen von einer gewissen Innovationslosigkeit, frei von gravierenden Fehlern oder Enttäuschungen.
Allerdings ist es auch nicht das perfekte Album, welches sich viele, inklusive mir, gewünscht haben.
Wer auf räudigen Melodic Death mit irren Gitarren, abgefahrenen Keyboards und angepissten Gesang steht kann bei Children Of Bodom aber nach wie vor nichts falsch machen.

Tracklist
1. Not My Funeral
2. Shovel Knockout
3. Roundtrip To Hell And Back
4. Pussyfoot Miss Suicide
5. Relentless, Reckless Forever
6. Ugly
7. Cry Of The Nihilist
8. Was It Worth It?
9. Northpole Throwdown

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