[Interview] Die Deislers

Dieses kleine Interview mit Die Deislers habe ich vor einer Weile geführt. Als die Tour noch in der Planung sich befunden hat.
Nun steht die Tour durch alle Bundesländer kurz vor dem Start und da wird es Zeit das ihr dieses Interview zum Konzept und der Idee der Tour zu lesen bekommt.
Also, los geht`s:

btp: Hallo zusammen,
willkommen im biotechpunk zum Interview. Wollen wir hier direkt einfach einsteigen.
Wer seid ihr und woher kommt ihr?

Die Deislers: Moin! Erstmal vielen Dank für dieses Interview und Euren Support!
Wir sind eine deutschsprachige Hardcore/Punk Band und uns gibt´s seit Anfang 2014.

btp: Kommt ihr alle aus Aachen, oder ist das einfach als Ort auf eurer Bandcamp Seite angegeben?
Ihr nennt euch Die Deislers, habt hier und dort Querverweise in die Fußballwelt, wenn auch nicht direkt als Ballsportfans. Hat der Bandname etwas mit einem ehemaligen Fußballer zu tun, oder ist die Namensherkunft eine vollkommene andere?

Die Deislers: Bis vor kurzem haben wir alle in Aachen gewohnt, zwei von uns sind aber jetzt zurück nach Gladbach gezogen wo wir eigenlich ursprünglich
herkommen. Als wir die Band gestartet haben, wollten wir stark ironisch dieses Fußball Topic aufnehmen.

Unsere erste EP handelt auch eigentlich nur davon was uns am (deutschen) Fußballkonstrukt ankotzt und was so wöchentlich in den Stadien der Republik falsch läuft. Leider wurde diese Ironie oft nicht ganz von außenstehenden verstanden und wir wurden des Öfteren als “Fußball-Band” oder “Fußball-Punk” angepriesen. Allein bei diesen Begriffen kommt uns schon die Galle hoch! Drei von uns können mit dieser Sportart gar nichts anfangen, einer ist ein bisschen interessiert solange es sich nicht um den Partypatriotismus handelt der alle zwei Jahre sämtliche Verhalten, Aussagen und Taten entschuldigt.

btp: Wie kommt es denn zu Texten wie bei Bengalopower vs. Prügelstock? Seht ihr ein Problem mit den Ultras und ihren Cheoreos in den Stadien und die Staatsmacht die da gegen vorgeht, oder eher in dem gesamten Zusammenhang, also die Verbote die es um solche Ereignisse gibt und dem teilweise rabiaten Vorgehen dagegen?

Die Deislers: Natürlich ist da erst mal die Frage, was das soll, dass man den Leuten nicht einfach einen Bereich gibt und sagt: „Hier könnt ihr Feuerwerk machen, gefährdet niemanden, alles gut!“. Dass das oftmals bewusst eskalierende Vorgehen der Polizei – nicht nur bei Fußballspielen – mehr als fragwürdig ist, dürfte klar sein.

Trotzdem finden wir auch diese Ultras irgendwie befremdlich, man muss sich ja mal vorstellen, dass da Leute in Kauf nehmen, längere Zeit kein Fußballspiel im Stadion gucken zu dürfen, um so ein bisschen heiße, bunte Luft zu machen. Und auch was Ultras so ansonsten an Energie in ihren Club stecken. Choreos organisieren, zu Auswärtsspielen fahren usw. frisst sicherlich eine Menge Zeit. Und dann sind diese Ultragruppen in der Regel ja auch noch die ultimative Pimmelparade, es ist ja so eine richtige Männerdomäne.

Es wäre vielleicht doch besser, dann Klassenkampf zu machen oder zu Hause Reproduktionsarbeit gerecht zu verteilen und Samstag 15:30 Uhr das Bad zu putzen anstatt Bengalos in Stadion zu schmuggeln. Das Lied drückt also schon so ein bisschen unser unverständliches Staunen vor so Leuten aus. Der Vollständigkeit halber sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass es zum Glück auch Projekte gibt, die sich gegen die dumpfe Fankultur und ihre Begleiterscheinungen positionieren – wir beziehen uns eher auf das Gros der Szene.

btp: Ihr habt teilweise recht kreative Liedertitel, welche nicht immer direkt auf den Inhalt schließen lassen. Dabei liefern die Lieder selber in knackig kurzen Episoden ab und kommen zwar direkt auf den Punkt aber zum mitdenken und ohne Parolen im ursprünglichen Sinne. Sind die Titel absichtlich so abstrakt gehalten, teilweise wieder mit Verweise zum Fußball, aber ohne direkt Fußball zum Thema zu haben und umgekehrt, wie Girlietalk im RE1 wo es dann um Fußball geht, aber indirekt eher um Nationalismus?

Die Deislers: Dass da der ein odere andere Titel eher subtil mitschwingt ist schon klare Absicht. Manchmal handelt es sich aber auch um niedergeschriebene
Momente die man als dritte Person gar nicht verstehen kann. “Girlietalk im RE1” zum Beispiel. Der gesamte Chorus aus diesem Song ist nämlich ein Zitat von einem Girl das ich zufällig auf der Zugfahrt nach Aachen aufgeschnappt habe. Einfach großartig! Das passte einfach wie die Faust aufs stolze, deutsche Auge!

btp: Wo wir gerade bei der Nationalmannschaft im Männerfußball sind; ihr wollt das Land bereisen und in ganz Deutschland wärend dieser Tournee auftreten. Wie ist denn diese Idee zustande gekommen und wieso wollt ihr in jedem Bundesland genau ein Konzert spielen? Wieso habt ihr nicht die Orte nach Einwohnerdichte zum Beispiel ausgewählt und mehr Konzerte nach NRW gepackt?

Die Deislers: Wie die besten Ideen halt meistens entstehen – im Suff! Wir haben im März eine viertägige Tour gespielt und schnell gemerkt, dass das Ganze doch relativ kurzatmig war und wir gerne länger am Stück unterwegs sein wollen. Uns kam dann die Eingebung, dass man in zwei Wochen, inklusive dem Wochenende davor, genau auf 16 Shows kommen würde. Und woran denkt ein braver Deutscher bei der Zahl? Natürlich an “seine” 16 Bundesländer. Da wir in vielen Parts vom Land bisher noch nicht gespielt haben, dachten wir, dass das eine gute Möglichkeit wäre alles direkt in einer Tour abzudecken.

btp: Betont eine Deutschlandtournee, die in 16 Tagen alle Bundesländer bereisen will nicht zu sehr das Konstrukt des Nationalstaates, also dem jetzigen Deutschland und wiederspricht eine solche eventuelle Betonung der Nation nicht dann den Aussagen aus eurem Song “Fauler Zahn”?

Die Deislers: Wir sehen darin eher, dass wir jedem Bundesland einmal ins Gesicht spucken können. Und das 16 Mal hintereinander! Das ist doch geil!
Und genau das untermalt sogar den Song! Denn “der Gesellschaft Fauler Zahn” rottet sicherlich in jedem Bundesland vor sich hin. Und hier kommen wir ins Spiel, “Die Dentists”!

btp: Nun, verlassen wir mal die Vermutungen. Sechszehn Konzerte in Sechszehn Tagen in sechszehn Bundesländer. Das ist doch von der Fahrleistung her, aber auch anderweitig ein recht großer Aufwand, oder nicht? Was sind die Beweggründe hierzu? Ich habe den Tourplan gerade nicht vor Augen, aber wird das nicht mehr ein Dasein auf der Straße werden und bekommt ihr dann ein wenig was von den Orten mit an denen ihr spielen werdet?

Die Deislers: Die Beweggründe sind einfach. Das wird ein geiler Trip und wir werden viele alte und neue Gesichter sehen. Auf das freuen wir uns bereits jetzt
tierisch! Wir sind alle gerne unterwegs und längste Strecke beläuft sich auf vier Stunden, da weden wir uns ganz sicher die ein oder andere Stadt in Ruhe ansehen können. Und sollten wir lediglich Zeit haben im AZ abzuhängen, sind wir auch mehr als zufrieden. Denn da fühlen wir uns dann doch sowieso am Wohlsten!

Ich hoffe das dieses Interview einen kleinen Vorgeschmack auf die Band, ihre Musik und die bevorstehende Tournee geben konnte. Hier noch einmal die Tourdaten im Überblick auf dem Tourposter, unter anderem auch von uns, dem biotechpunk, präsentiert.

Hört also einfach in die Alben der Band auf Bandcamp rein, lasst euch überzeugen und besucht Die Deislers auf ihrer Tournee durch alle deutschen Bundesländer und Stadtstaaten.